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durch Augustus ausdrücklich festgesetzt habe. 36 „Denn wer noch so weit seiner mächtig gewesen ist, dass er dem Herrn des römischen Reiches seinen Thron zur Verfügung stellen konnte, der hat sich,“ schloss Nikolaus, „wohl auch in dem Erben nicht geirrt: gewiss hat der noch bei vollem Bewusstsein den Thronbewerber vorgeschlagen, der das eine noch klar wusste, bei wem sich derselbe um die Bestätigung zu bewerben habe.“

37 (7.) Nachdem so auch der Vertheidiger alle Gesichtspunkte erschöpft hatte, trat Archelaus vor und warf sich schweigend dem Kaiser zu Füßen. Dieser aber hieß ihn freundlich aufstehen und deutete ihm an, dass der Uebernahme des väterlichen Thrones in Ansehung seines Charakters nichts entgegenstehe; doch gab er noch keine bindende Erklärung 38 und entließ einstweilen die Versammelten, um die gewonnenen Eindrücke bei sich zu verarbeiten, weil er noch nicht wusste, ob er wirklich einen bestimmten Thronfolger aus den in beiden Testamenten bezeichneten Persönlichkeiten ernennen oder aber das Reich auf das ganze Haus des Herodes vertheilen sollte, da ihm die zahlreichen Mitglieder desselben doch eine standesgemäße Versorgung zu erheischen schienen.


Drittes Capitel.
Die Römer werden unter Sabinus zu Jerusalem hart angegriffen und schließlich im Königshof belagert.

39 (1.) Bevor noch der Kaiser eine Entscheidung in der Sache des Archelaus fällte, wurde dessen Mutter Malthace krank und starb. Zu diesem Unglück kamen noch briefliche Nachrichten von Varus aus Syrien, die von einem Abfall der Juden redeten. 40 Einen solchen hatte übrigens Varus schon vorausgesehen, weshalb er auch nach der Abfahrt des Archelaus alsbald gegen Jerusalem herangezogen war, um die Ruhestörer im Zaume zu halten, da alle Anzeichen dafür sprachen, dass die jüdische Nation sich nicht fügen würde. Nachdem er eine der drei syrischen Legionen, mit der er eben einmarschiert war, in der Stadt zurückgelassen hatte, 41 hatte er sich wieder nach Antiochien zurückbegeben. Bald nach ihm kam auch Sabinus in die Hauptstadt und bot den Juden den erwünschten Anlass zu einer Umwälzung. Er ertrotzte nämlich, gestützt sowohl auf die von Varus zurückgelassenen Truppen, wie auch auf seine eigenen zahlreichen Sclaven, die er insgesammt mit Waffen versehen hatte, um sie als Handlanger seiner Habgier zu verwenden, die Uebergabe der königlichen Schlösser von ihren Besatzungen und durchwühlte jetzt in der rohesten Weise die

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Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 147. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/147&oldid=- (Version vom 13.2.2020)