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die Mitglieder der früher an Agrippa abgeordneten Gesandtschaft, mit den königlichen Truppen sich nach dem weiter oben liegenden Königshof flüchteten und rasch dessen Thore absperrten. 429 Für diesen Tag nun ließen es sich die Rebellen am erfochtenen Siege und dem Vernichtungswerk des Feuers genüge sein und rasteten vom Kampfe aus.

430 (7.) Am anderen Tage – es war das der fünfzehnte des Monates Lous – eilten die Aufrührer nach der Antonia, deren Besatzung sie nach zweitägiger Berennung überwältigten und niedermetzelten. Die Veste selbst gab man den Flammen preis. 431 Hierauf zogen sie wieder zum Königshof hinüber, in den sich die königlichen Truppen auf ihrer Flucht geworfen hatten, und machten sich, in vier Scharen vertheilt, an die Erstürmung der Mauern. Da die Belagerer zu zahlreich waren, wagte keiner von den Eingeschlossenen einen Ausfall, dafür aber beschossen sie von den verschiedenen Brustwehren und Thürmen herab die Stürmenden so wirksam, dass gar viele aus dem Raubgesindel am Fuße der Mauern niedergestreckt wurden. 432 Weder bei Nacht noch bei Tag setzte das blutige Ringen aus. Die Rebellen hofften, dass die Belagerten durch Mangel an Proviant, die Belagerten aber, dass die Stürmenden infolge der Anstrengung endlich mürbe gemacht würden.

433 (8.) Um diese Zeit war ein gewisser Manaim, ein Sohn des unter dem Namen „Judas der Galiläer“ bekannten und berüchtigten Sectenstifters, der einstmals unter Quirinius die Juden aufgehetzt und es als eine Schmach erklärt hatte, neben Gott noch die Römer als Herrn zu gedulden, mit seinen Bekannten nach Masada aufgebrochen, 434 hatte daselbst das Arsenal des Königs Herodes aufgesprengt und außer den Banden von Judäa noch anderes Raubgesindel mit den hier vorgefundenen Waffen ausgerüstet. So kam er nun, mit diesem Haufen wie von einer königlichen Leibgarde umgeben, nach Jerusalem zurück, übernahm die Führung des Aufstandes und leitete die Belagerung. 435 Da es an Belagerungsmaschinen mangelte, und die Belagerer unter dem Hagel der herabsausenden Geschosse unmöglich ohne Deckung die Mauer untergraben konnten, so trieb man, selbstverständlich aus ziemlicher Entfernung, unter einen der Thürme hin einen unterirdischen Gang und sicherte seine Decke durch Stützen vor dem Einsturz. Dann legte man Feuer an die Tragbalken und verließ den Gang. 436 Wie nun die Zimmerung unter dem Thurme verkohlt war, stürzte der Thurm auch sofort zusammen. Aber in diesem Augenblicke kam hinter seinen Trümmern und ihm gerade gegenüber eine zweite Mauer zum Vorschein. Die Vertheidiger hatten nämlich das schlaue Beginnen der Rebellen noch zur rechten Zeit gemerkt – vielleicht hatte auch der Thurm ein wenig gezittert, als man unter ihm grub – und sich darum eine

Empfohlene Zitierweise:
Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 205. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/205&oldid=- (Version vom 18.8.2016)

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