Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/253

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Glücksfall haben kann, griff Vespasian diese Meldung auf und sandte in der Ueberzeugung, dass nur auf eine göttliche Fügung hin gerade der tüchtigste Kopf unter den Juden, für den man Josephus hielt, von selbst ins Garn gelaufen sei, unverweilt den Placidus und den Decurio Aebutius, einen Mann von ebenso hervorragender Tapferkeit wie Klugheit, mit 1000 Reitern dorthin ab und trug ihnen auf, die Stadt fest zu umschließen, damit Josephus ja nicht mehr entschlüpfen könnte.

145 (4.) Einen Tag später folgte er ihnen auch selbst mit seiner ganzen Heeresmacht und kam nach einem Tagesmarsch abends vor Jotapata an. 146 Er ließ daselbst seine Truppen gegen die Nordseite der Stadt hin an einem Hügel, der von ihr sieben Stadien entfernt war, ein Lager aufschlagen, weil er von den Feinden so deutlich als möglich gesehen werden wollte, um ihnen Schrecken einzujagen. 147 Richtig wurden auch die Juden von solchem Entsetzen ergriffen, dass keiner von ihnen sich vor die Mauer hinauswagte. 148 Die Römer hatten übrigens keine Lust mehr, den Angriff sofort zu beginnen, da sie den ganzen Tag marschiert waren: was sie aber noch thaten, war, dass sie die Stadt mit einem doppelten Truppencordon umstellten, über den hinaus sie mit der Reiterei noch eine dritte Einschließungslinie formierten, um so den Juden jeden Ausweg abzuschneiden. 149 Gerade diese Maßregel aber war es, welche die Juden dadurch, dass sie ihnen jede Hoffnung auf Rettung benahm, zu dem tollsten Muthe anstachelte. Denn bekanntlich ist im Kriege die Verzweiflung der grimmigste Kämpfer!

150 (5.) Am anderen Tage unternahm man den Sturm. Zu Anfang desselben leisteten die im Weichbilde der Stadt gebliebenen Juden, welche draußen vor der Mauer sich verschanzt hatten, wirkungsvollen Widerstand, solange sie den Römern Aug’ im Auge gegenüberstanden. 151 Als aber dann Vespasian die Bogenschützen und Schleuderer und die ganze Masse der Wurfschützen gegen sie aufbot, während er selbst mit dem Fußvolke gerade dort, wo die Mauer noch am leichtesten zu ersteigen war, die Höhe hinanstürmte, wurde dem Josephus um die Stadt bange, und machte er darum mit seiner ganzen Mannschaft einen Ausfall. 152 Da ihr Anprall die Römer mit seiner vollen Wucht traf, gelang es ihnen, die Stürmenden unter vielen glänzenden Beweisen ihrer Kraft und Kühnheit von der Mauer zurückzuschlagen. Allerdings war der Verlust, den sie dabei selbst erlitten, kaum geringer, als jener, den sie dem Feinde bereiteten, 153 da die Römer sich nicht weniger von der Furcht vor Schande, als die Juden von der Verzweiflung an ihrer Rettung anfeuern ließen. Kriegerische Erfahrung und Kraft führte das Schwert auf der einen, Verwegenheit, von

Empfohlene Zitierweise:
Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 253. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/253&oldid=- (Version vom 1.8.2018)