Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/256

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vorrichtung erfand: 173 Er ließ nämlich eine Umzäunung aus Balken oben in der Mauer einschlagen und darüber frisch abgezogene Ochsenhäute breiten, welche die von den Ballisten geschleuderten Steine durch die sofort gebildeten Bauschen auffangen sollten, während die übrigen Geschosse an ihnen einfach abgleiten, und auch die Feuerbrände durch deren Feuchtigkeit gedämpft werden mussten. 174 Hinter diese Schutzwehr postierte er dann die Werkleute, welche nunmehr mit aller Sicherheit Tag und Nacht arbeiten konnten und die Mauer bis zu einer Höhe von zwanzig Ellen förderten, auch eine Anzahl Thürme darauf errichteten und eine starke Brustwehr anfügten. 175 Diese Wahrnehmung stürzte die Römer, die schon fast im Innern der Stadt zu sein glaubten, in große Muthlosigkeit, und sie waren nicht minder betroffen über die List des Josephus, wie über die entschlossene Ausführung von Seite der Besatzung.

176 (11.) Auch Vespasian war über das schlaue Stücklein, wie über den verwegenen Widerstand der Jotapatener sehr erbittert, 177 zumal die letzteren, keck gemacht durch das Gelingen des Befestigungswerkes, aufs neue ihre Ausfälle auf die Römer begannen und ihnen Tag ein, Tag aus kleine Scharmützel lieferten. Dabei ließen sie alle Listen eines Bandenkrieges spielen und raubten, was ihnen unter die Hände kam, während sie anderes, wie z. B. die Werke, in Brand steckten, 178 bis endlich Vespasian den offenen Angriff einzustellen befahl und sich entschloss, mit seinem Heere die Stadt ruhig zu beobachten, um sie durch die bald eintretende Hungersnoth in seine Gewalt zu bekommen. 179 Denn entweder würden die Juden, so sagte er sich, vom äußersten Mangel gezwungen ihn um Gnade anflehen oder, wenn sie bis zuletzt in ihrer Starrköpfigkeit verharren sollten, sicher vom Hunger aufgerieben werden. 180 In letzterem Falle glaubte er selbst bei Wiederaufnahme des Kampfes mit den Juden viel leichteres Spiel zu haben, weil ein Sturm nach längerer Unterbrechung eine ganz ausgemergelte Besatzung finden musste. Auf seinen Befehl wurden in der Folge alle Verbindungen mit der Stadt scharf bewacht.

181 (12.) An Brot und allen anderen Lebensmitteln, mit Ausnahme des Salzes, hatten nun allerdings die Leute in der Stadt Ueberfluss, aber es herrschte Mangel an Wasser, da eine Quelle in der Stadt nicht vorhanden war, und die Einwohner sich mit Regenwasser begnügen mussten. Es gehört indes leider zu den Seltenheiten, wenn es in diesem Himmelstriche zur Sommerszeit einmal regnet. 182 So bemächtigte sich denn der Bewohner, die ja gerade um diese Jahreszeit von der Belagerung betroffen wurden, eine fürchterliche Muthlosigkeit beim Gedanken, vor Durst verschmachten zu müssen; ja sie gaben sich in einem Maße der

Empfohlene Zitierweise:
Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 256. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/256&oldid=- (Version vom 1.8.2018)