Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/375

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33 Die eigenen Verwandten nahmen keine Rücksicht mehr auf lebende Angehörige, waren sie aber ermordet, so sorgte man nicht einmal für ihr Begräbnis! Die Verzweiflung an der eigenen Rettung, die sich eines jeden bemächtigt hatte, erklärt uns beides. Unter den friedlich gesinnten Bürgern herrschte eben infolge der festen Ueberzeugung von ihrem bevorstehenden unvermeidlichen Untergang die vollste Resignation. 34 Kam es ja doch öfter vor, dass die Aufständischen über hoch aufgeschichtete Leichenhaufen schreiten mussten, wenn es zum Zusammenstoß kam, und sie geberdeten sich gerade da am allerwildesten, gleich als wäre aus den Leichen unter ihren Füßen eine neue Raserei in sie übergeströmt. 35 Immer erfanden sie neue mörderische Listen zur gegenseitigen Vernichtung, und erbarmungslos ward auch stets das Beschlossene durchgeführt, ohne eine Art von Marter oder irgend eine Eingebung der Grausamkeit zu sparen. 36 So verwendete Johannes selbst das für das Heiligthum bestimmte Holz zur Errichtung von Sturmmaschinen. Volk und Priesterschaft hatten nämlich früher einmal den Beschluss gefasst, das Tempelhaus in seinen Fundamenten zu verstärken und um zwanzig Ellen höher zu bauen, zu welchem Zwecke König Agrippa vom Libanon herab mit ungeheuren Kosten und Mühen das entsprechende Holz herbeischaffen ließ, schlanke und riesig lange Stämme, die man gesehen haben muss! 37 Leider unterbrach dann der Krieg den Bau. So ließ denn nun Johannes die Stämme zuhauen und daraus Belagerungsthürme herstellen, weil er sah, dass ihre Höhe zu den Vertheidigern des oberen Heiligthums hinaufreichte. 38 Er schob diese Thürme in die Nähe des Tempels und ließ sie hinter dessen Umfassungsmauer gegenüber der westlichen Ausbuchtung (Exedra) Posto fassen, weil nur auf dieser Seite es möglich war, solche Thürme anzubringen, während die übrigen Flächen im Vorhofe in bedeutender Ausdehnung von Stufen unterbrochen waren.

39 (6.) Durch diese nur mit einem Gottesraube zu Stande gekommenen Belagerungsmaschinen hoffte nun Johannes endlich seiner Feinde Herr zu werden. Aber all seine Anstrengung sollte sich ihm nach Gottes Fügung als ganz unnütz erweisen, da sie die Römer früher herbeirief, ehe Johannes noch einen einzigen Thurm an die Tempelmauer hatte rücken können. 40 Es marschierte nämlich gerade jetzt Titus von Cäsarea ab, nachdem er einen Theil der Truppen um sich gesammelt, den andern aber den Befehl gesandt hatte, sich bei Jerusalem mit ihm zu vereinigen. 41 Die Truppen bestanden aus den drei Legionen, die schon früher unter seinem Vater Judäa verwüstet hatten, und der zwölften Legion, die noch früher unter Cestius die bekannte Niederlage erlitten hatte, eine schon an sich im Ruhme hoher Tapferkeit

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Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 375. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/375&oldid=- (Version vom 1.8.2018)