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Handgemenge zusammen. 224 Viele Römer wurden in dem Moment, wo sie von der Leiterspitze auf das Dach springen wollten, ehe sie noch mit ihrem Schilde parieren konnten, von den Schwerthieben der Feinde getroffen, und einige Leitern, die von Bewaffneten vollgepfropft waren, konnten die Juden sogar seitwärts drehen, 225 so dass sie von der Zinne hinunterglitten und nicht wenige Soldaten zerschmetterten. Besonders heftig wehrten sich die Fahnenträger um die auf der Höhe schon aufgepflanzten Standarten, deren Wegnahme sie für den schwersten Verlust und für die größte Schmach ansahen. 226 Doch zuletzt eroberten die Juden auch die Fahnen und machten alles nieder, was oben war, während die anderen, eingeschüchtert durch das Missgeschick der Gefallenen, zurückwichen. 227 Auf Seite der Römer hatten alle, die fielen, redlich ihre Schuldigkeit gethan, unter den Rebellen aber hatten sich auch diesmal wieder die Helden der früheren Kämpfe und außerdem Eleazar, Brudersohn des Tyrannen Simon, durch ihre Tapferkeit hervorgethan. 228 Als nun Titus sehen musste, wie die dem fremden Heiligthum erwiesene Schonung seinen Soldaten nur Schaden und Verluste brächte, gab er den Befehl, Feuerbrände an die Thore zu legen.

229 (2.) Um diese Zeit giengen Ananus von Emmaus, der größte Bluthund unter den Trabanten Simons, und Archelaus, der Sohn des Magadates, in der Hoffnung zu Titus über, dass sie jetzt umso leichter Gnade finden würden, weil sie gerade nach einem Siege der Juden die Stadt verlassen hatten. 230 Bei Titus aber verfieng dieser Kniff durchaus nicht, und da er überdies von ihrer Grausamkeit gegen das Volk erfahren hatte, so war er schon Willens, beide hinrichten zu lassen. „Nur der bittere Zwang“, fuhr er sie an, „hat euch zu mir getrieben, und hienge es von euch ab, so wäret ihr sicher nicht da. Leute, wie ihr, die erst in einem Augenblicke ihrer Vaterstadt entlaufen, wo dieselbe um eurer Frevel willen schon in Flammen steht, verdienen keine Gnade mehr!“ 231 Schließlich überwog doch die Rücksicht auf die gegebene Zusage den Zorn des Cäsars, und er ließ sie, wenn auch unter ganz anderen Bedingungen, wie die früheren, ziehen. 232 Unterdessen hatten schon die Soldaten Feuer an die Thore gelegt. Zunächst schmolz unter den ringsum leckenden Flammen das Silber ab und gab dann das Feuer an das Holzwerk weiter, von wo es, in mächtigen Garben aufschlagend, die Hallen erfasste. 233 Der Anblick dieses Feuerkreises schien im ersten Augenblicke den Juden alle Leibes- und Seelenkräfte gelähmt zu haben: das Entsetzen bannte sie dermaßen an ihre Stelle, dass auch nicht einer einen Schritt zur Vertheidigung oder zum Löschen machen konnte; 234 als wenn das Blut ihnen in den Adern erstarrt wäre, standen sie und

Empfohlene Zitierweise:
Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 466. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/466&oldid=- (Version vom 1.8.2018)