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Siebentes Capitel.
Blutbad in der Unterstadt durch die Empörer. Zwei Römer von den Juden gefangen. Wüthen der Rebellen in der Oberstadt und Umgebung. Ihre Zuversicht.

358 (1.) Mittlerweile unternahmen aber die Aufrührer einen Sturm auf den königlichen Palast, wohin viele ihre Habe in Sicherheit gebracht hatten, weil sie auf seine Festigkeit bauten. Richtig wurden die Römer aus dem Palaste zurückgeworfen, und hierauf die ganze daselbst vereinte Volksmasse, bei 8400 Menschen, einfach niedergestoßen, wie auch Alles, was Wert hatte, geplündert. 359 Auch zwei Römer, ein Reitersmann und einer vom Fußvolke, fielen ihnen dabei lebend in die Hände. Dem letzteren machten sie gleich den Garaus und schleiften dann seine Leiche in der ganzen Stadt herum, als wollten sie ihre ganze Wuth gegen die Römer an diesem einzigen Todten auslassen. 360 Der Reiter aber wurde, weil er vorgab, den Aufrührern einen guten Rettungsplan zu stecken, vor Simon geführt. Da er jedoch hier keine besonderen Aufschlüsse zu geben wusste, so übergab ihn Simon einem seiner Führer, namens Ardalas, zur Execution. 361 Dieser führte ihn, die Hände auf den Rücken gebunden und die Augen mit einer Binde bedeckt, hinaus, um ihm vor den Augen der Römer den Kopf abzuschlagen. In dem Augenblick aber, da der Jude vom Leder zog, machte der Reitersmann einen gewaltigen Satz und entkam zu den Römern. 362 Titus brachte es zwar nicht über sich, den Mann, der sich auf solche Weise glücklich aus Feindeshand gerettet hatte, zum Tode zu verurtheilen, aber er erklärte ihn für unwürdig, fernerhin die römischen Waffen zu tragen, weil er sich hatte lebendig vom Feinde ergreifen lassen. Er nahm ihm Waffe und Wehr ab und stieß ihn aus dem Heeresverbande, eine Strafe, die für einen Soldaten, der noch eine Scham im Leibe hatte, bitterer war, als der Tod.

363 (2.) Erst am anderen Tage gelang es den Römern, die Raubgesellen aus der Unterstadt zu verjagen und den ganzen bis zum Siloah reichenden Stadtbezirk einzuäschern. Aber wenn sie auch das Vergnügen hatten, endlich einmal die Stadt in Flammen aufgehen zu sehen, so kamen sie doch in Bezug auf die Beute daneben, weil die Banden schon vor ihnen alles säuberlich ausgeräumt und ihre Beute in die Oberstadt geflüchtet hatten. 364 Auch nicht die leiseste Anwandlung zur Reue überkam die Schurken beim Anblick des Unheils, das sie gestiftet, im Gegentheil, sie brüsteten sich noch damit, als wären es lauter Ehrenthaten. Mit vergnügtem Gesichte schauten sie auf die Flammen herab und sagten es ganz offen, dass sie jetzt erst guten Muthes dem Ende entgegensähen, weil das Volk hingeschlachtet, der Tempel niedergebrannt und die Stadt selbst ein Feuermeer, folglich

Empfohlene Zitierweise:
Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 481. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/481&oldid=- (Version vom 1.8.2018)