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Viertes Capitel.
Begeisterter Empfang des Vespasian in Rom. Aufstand des Classicus. Einfall der Sarmaten in Mösien. Der Sieger Rubrius Gallus.

63 (1.) Als man dem Cäsar Titus die Nachricht brachte, wie ersehnt sein Vater Vespasian allen Städten Italiens gekommen sei, und wie ihn namentlich die Stadt Rom mit der größten Begeisterung und Auszeichnung empfangen, da kehrte wieder herzliche Freude und Frohsinn in seine Seele ein, weil ihm wenigstens die Sorge um seinen Vater, und zwar durch die denkbar glücklichste Wendung, genommen war! 64 Denn während Vespasian noch weit entfernt war, huldigte ihm auch schon ganz Italien mit einem Jubel, als wäre er bereits zur Stelle. Der außerordentliche Enthusiasmus machte eben keinen Unterschied mehr zwischen Erwartung und Ankunft, und die zuvorkommende Huldigung für Vespasian galt schon als gleichbedeutend mit der Beseitigung jeglicher Noth. 65 Denn was zunächst den Senat betrifft, so hatte derselbe die traurigen Erfahrungen, die er beim Sturze der letzten Kaiser gemacht hatte, nur zu frisch noch im Gedächtnisse, um nicht mit Segenswünschen die Ankunft eines Kaisers zu erwarten, dessen ehrwürdiges graues Haar das schönste Lorbeerreis kriegerischen Ruhmes schmückte, und von dem man sicher wusste, dass seine erhabene Würde ihm nur Mittel sein würde, um das Wohl seiner Unterthanen zu befördern. 66 Aber noch mehr drängte das von den Leiden des Bürgerkrieges ganz erschöpfte Volk nach der Ankunft des Vespasian, da es jetzt einmal sicher von seinem Elende loszukommen hoffte und mit Vertrauen dem Eintritt ebenso ruhiger als gesegneter Zeiten entgegensah. 67 Ganz besonders aber waren die Blicke des Heeres erwartungsvoll auf ihn gerichtet, da schließlich doch nur die Militärs am besten die Größe seiner kriegerischen Erfolge zu würdigen vermochten. Sie hatten unter der Unkenntnis und Feigheit der übrigen Kaiser soviel zu leiden gehabt, dass sie einerseits den sehnlichsten Wunsch hatten, endlich ihre persönliche arg befleckte Ehre wieder hergestellt zu sehen, und andererseits mit Freuden einen Mann begrüßen mussten, der allein das rechte Zeug in sich hatte, ihnen Heil und Siegesruhm zu geben. 68 Angesichts dieser großartigen allgemeinen Begeisterung für Vespasian litt es die Spitzen der Behörden nicht mehr in Rom, sondern sie beeilten sich, soweit als möglich, von der Hauptstadt aus ihm entgegenzukommen. 69 Aber auch die übrige Einwohnerschaft konnte seine Ankunft nicht mehr erwarten. Wie ein mächtiger Strom flutete die ganze Menschenmasse zu den Thoren hinaus, und jedermann fand diesmal das Fortgehen bequemer und leichter, als das Bleiben, so dass jetzt auch die Stadt selbst das erstemal ihre Vereinamung

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Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 500. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/500&oldid=- (Version vom 9.2.2020)