Seite:Katzenschlucker.djvu/74

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Da war große Aufregung in der guten Stadt Prachatitz, als die Geschichte von dem in Aussicht stehenden Wettzaubern bekannt wurde. Und zur angesagten Zeit war der Markt so voll von Menschen, daß kein Apfel zu Boden gefallen wäre. Auf einem erhöhten Podium standen, allen weithin sichtbar, Anastasius und der fremde Gaukler, der gleich in einer Rede an das Volk seine Künste zu rühmen begann.

Anastasius lächelte dazu nur freundlich und machte mit seinem Zauberstab ein Zeichen gegen den Marktbrunnen. Siehe da! Schon floß rubinroter Wein aus seinen Röhren. Während sich die Nächststehenden um einen Trunk aus dem Brunnen drängten, hatte schon wieder der fremde Gaukler seine Stimme erhoben und sagte:

„Ist das Eure ganze Kunst, Meister Anastasius? Solche Kleinigkeiten überlasse ich meinem jüngsten Lehrling! Da will ich schon etwas Besseres zeigen. Seht Ihr dort die drei Spatzen am Rathausdach? Die sollen gleich so groß wie Adler werden!“

Während er nun mit beiden Händen geheimnisvolle Bewegungsn machte, die den Zauber bewirken sollten, winkte Anastasius mit seinem Zauberstab und schon flatterten sie vom Rathaus her über den Marktplatz. Man hätte sie wahrhaftig für Adler halten können, wenn sie nicht dabei wie richtige Spatzen gepiepst hätten. Der Gaukler freute sich gewaltig seines Erfolges.

„Seid ihr hungrig, meine Vögelchen?“ rief er ihnen zu, „es wird ja wohl mit der Gestalt auch der Magen gewachsen sein! Seht euch dort die Buben an mit den großen Kirchweihkuchen in den Händen! Verderbt ihnen die Freude und macht euch selbst eine. Freßt sie ihnen weg!“

Als ob ihn die Spatzen verstanden hätten, stürzten sie sich wirklich auf die Jungen, entrissen ihnen die Kuchen und suchten damit das Weite.

Anastasius schüttelte den Kopf. Dieser Streich war nicht nach seinem Sinn. Sollte er einem solchen Menschen noch weiter seine

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Slawitschek: Anastasius Katzenschlucker, der große Zauberer. Vlg. des Deutschen Kulturverbandes, 1929, Seite 80. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Katzenschlucker.djvu/74&oldid=- (Version vom 21.5.2018)