Seite:Keyserling Wellen.pdf/214

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Sie mußten stehen bleiben und nach ihren Hüten greifen, die ein Windstoß ihnen vom Kopfe reißen wollte. Dann wies Knospelius zur Düne hinüber und sagte: „Ihre Frau Gemahlin sitzt dort oben schon neben der Staffelei und näht, glaube ich.“

„Ja, sie näht Hemden für Fischerkinder,“ erwiderte Hans zerstreut. Aber Knospelius’ großes, bleiches Knabengesicht schaute forschend und aufmerksam zu ihm auf: „So, das ist neu.“

„Ja, das ist neu,“ bestätigte Hans obenhin. „Übrigens gehe ich auch jetzt arbeiten; auf Wiedersehen,“ und er stieg die Dünen hinauf.

Knospelius stand noch da, schaute zu Doralice hinüber und murmelte: „Ja, das ist neu.“ –

Doralice saß da und nähte. Das tat sie jetzt gern, denn es sah beruhigt aus, sah aus, als sei alles in Ordnung. Nur hielt sie es nicht lange aus, das Säumen der Leinwand machte ihre Finger nervös. Bald warf sie die Arbeit fort und streckte sich auf ihrer Decke aus, um zu den Wolken hinaufzustarren. Sie hörte Hans zuweilen zu seiner Malerei sprechen. „Was ist denn das?“ rief er plötzlich, „etwas ganz Neues.“ – „Was denn?“ fragte Doralice. – „Sehr merkwürdig,“ sagte Hans, „mit einem Male auf jeder

Empfohlene Zitierweise:
Eduard von Keyserling: Wellen. S. Fischer, Berlin 1920, Seite 214. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Keyserling_Wellen.pdf/214&oldid=- (Version vom 1.8.2018)