Seite:Keyserling Wellen.pdf/26

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nicht ein, warum du deine Vergleiche von dort hernimmst, von dort sprechen wir doch nicht.“

„Nein, von dort sprechen wir nicht,“ wiederholte Doralice.

Sie kamen am Strandwächterhäuschen vorüber. Durch das geöffnete Fenster scholl eine laute Männerstimme und ihr antwortete eine Frauenstimme leidenschaftlich und scheltend. Unten am Strande stand der Geheimrat Knospelius, eine kleine, wunderlich verbogene Gestalt, er stand so nah am Wasser, daß sein unförmlicher Schatten sich in den Wellen badete. Als Hans und Doralice sich näherten, grüßte er, zog seinen Panama sehr tief ab, das graue Haar flatterte im Winde, er lächelte und das regelmäßige, bartlose Gesicht sah aus wie ein großes, bleiches Knabengesicht. „Guten Abend,“ sagte Hans. Der Geheimrat lachte lautlos in sich hinein und zeigte mit einem merkwürdig langen, dünnen Finger zum Hause des Strandwächters hinauf. „Die streiten wieder,“ bemerkte Hans.

– „Dort ist immer reger Betrieb,“ erwiderte der Geheimrat geheimnisvoll, „die arbeiten am Leben, bis ihnen die Augen zufallen. So was höre ich gern.“

„Ja, hm!“ sagte Hans, „guten Abend,“ und sie gingen weiter.

Empfohlene Zitierweise:
Eduard von Keyserling: Wellen. S. Fischer, Berlin 1920, Seite 26. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Keyserling_Wellen.pdf/26&oldid=- (Version vom 1.8.2018)