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sagen, „kann die Civilisation nicht leicht erreichen, sondern sie muß sich damit begnügen, sich am Fuße hinzuschlängeln.“ Er haßte die Menschen gerade nicht, mied sie aber aus dem Grunde, weil er zu verschieden von ihnen war. Was für die gewöhnlichen Sterblichen Freude und Sorge, Erfolg und Fehlschlag, Hoheit und Gemeinheit bedeutete, ließ ihn völlig kalt. Seine Bekannten sahen ihn oft mitleidsvoll an, wenn er Tage lang einsam und zwecklos durch Feld und Wald schweifte; er hingegen bemitleidete sie ebenfalls, weil sie nicht gelernt hatten, ein gleiches sorgenfreies Leben zu führen. Doch so ganz ungesellig war Thoreau nicht; er fand nur zu wenige, ihm passende Menschen und, wie hinzugefügt werden muß, er gab sich auch nicht die rechte Mühe, sie zu suchen. In Gesellschaft anspruchsloser Farmer befand er sich stets am wohlsten. Kam er mit Gelehrten oder solchen Leuten zusammen, die Anspruch auf Bildung erhoben, so verhielt er sich meist zurückhaltend; öfters aber trat er ihren Anmaßungen auch entschieden und schroff gegenüber.

1843 nahm Thoreau eine Hauslehrerstelle in der Familie eines Bruders von Emerson auf Long Island an und ward dadurch auch mit Horace Greeley bekannt, der damals in seiner „Tribune“ Propaganda für die Ideen Fourier’s machte und der auch dafür sorgte, daß einige litterarische Arbeiten Thoreau’s im Druck erschienen.

Thoreau machte nun öfters Abstecher nach dem benachbarten New-York. Die dortigen Kirchen und Paläste fanden keine Gnade vor seinen Augen, denn er sah in ihnen nichts anderes, als steinerne Gefängnisse für Geist und Körper; größeren Gefallen fand er dagegen an dem dortigen Volksleben auf den Straßen und sonstigen Verkehrswegen. Aber auf die Eisenbahnen, welche ihn immerfort in seinen Betrachtungen störten und welche sich beständig nach allen Richtungen ausdehnten,

Empfohlene Zitierweise:
Karl Knortz: Ein amerikanischer Diogenes (Henry D. Thoreau). Verlagsanstalt und Druckerei A.-G., Hamburg 1899, Seite 11. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Knortz-Ein_amerikanischer_Diogenes_(Henry_D.Thoreau).djvu/11&oldid=- (Version vom 1.8.2018)