Seite:Knortz - Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur.pdf/131

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Asasel[1] die Aufgabe erteilen lassen, Jesum von seinem Mitleidgefühl zu befreien und Tiere und Menschen ihrem natürlichen Schicksale zu überlassen.

Aus einem bleiernen Meer, das wie eine fahle Leiche von einem Felsensarg umgeben ist, erhebt sich ein auf riesigen Schultern ruhendes Haupt, und Asasel wird sichtbar. Auf seinen Ruf gleitet Lilith aus der Luft hernieder und gibt auf die Frage, wo sie gewesen sei, folgende Antwort, indem sie gegen Osten deutet:

„Sieh dort der mondbeglänzten Wolke Segel,
Die wie ein Schwan sich fiedert und sich sträubt,
Und unter ihr den steilen Felsenkegel!
Herodes Burg Machärus krönt sein Haupt,
Dort überm Abgrund steht ein Fenster offen
Und in der Kammer schläft auf seidnem Pfühl
Ein Menschenkind, wie keins ich je getroffen,
So schön, so flammend heiß und doch so kühl.
Ein süßes Schlänglein, glatt und jung und böse.
So schlimm, daß ich nichts mehr dazu vermag,
Und wenn ich meinen eignen Gürtel löse
Und gürte sie, bei der ich kosend lag.
Die Irdische, wie ist sie meinesgleichen!
Zum ersten Male fühlt’ ich was wie Neid.
Dies Kind wird Ruhm wie noch kein Weib erreichen,
Wird Menschen töten, brechen jeden Eid,
Und wird, wenn lachend sie den Erdensöhnen
Vom Rumpf die Häupter mit dem Fächer schlägt,
Sich hohnvoll recken, weil das letzte Stöhnen
Der Sterbenden noch Liebesseufzer trägt.“

Auf die Frage Asasels, wie die glatte Natter heiße, erwidert Lilith:

„Salome.
Die Tropfen alten Fürstenblutes gären
Als Gift in ihres Leibes zartem Schnee.“


  1. Die Etymologie dieses Namens ist unsicher, so auch die eigentliche Bedeutung. Man versteht darunter eine Örtlichkeit in der Wüste, in welche beim jährlichen Versöhnungsfest der Sündenbock gejagt wurde, manchmal auch diesen selber, im allgemeinen jedoch einen in der Wüste hausenden Dämon. Im Buche Henoch dient dieser Name zur Bezeichnung des Teufels oder Höllenfürsten.