Seite:Kurze Topographie und Geschichte der Kreis-Stadt Rothenburg.djvu/16

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aber stets zum Abfall geneigten slavischen Völker im Zaume zu halten, wurden besonders an solchen Orten, welche die Natur schon befestigt hatte, Burgen angelegt, auf Anhöhen, an Flüssen, zwischen Sümpfen; und wenn auch anfangs nur von Holz gebaut, und mit Wall und Graben, oder einem Pfahlwerk umgeben, so erfüllten sie doch ihren Zweck, der deutschen Besatzung einen sichern Aufenthaltsort, und ihren Operationen einen Stützpunkt zu gewähren. Solcher Burgen finden wir nun mehrere in der Ober-Lausitz, und da die siegenden Deutschen zur Unterwerfung des Landes dasselbe durchzogen, mochten sie wohl die undurchdringlichen Haiden scheuen, und an den Flüssen hinziehen, und hier an gelegenen Punkten ihre ersten Verschanzungen aufwerfen und die Burgen anlegen. Die Burgen zu Görlitz, Penzig, Rothenburg, Muskau, Hoyerswerda, Budissin u. s. w. liegen sämmtlich an Flüssen, an der Neiße, schwarzen Elster und Spree. So mochten von Görlitz aus deutsche Schaaren an der Neiße hinunter ziehen, und da, wo jetzt die Dominialgebäude von Rothenburg sich finden, auf dem ziemlich steilen Thalrande der Neiße, sich festsetzen, den Platz durch Wall, Graben und Pfahlwerk sichern, und die nöthigen Gebäude von Holz errichten. Wann dies geschehen sei, ist ungewiß; doch werden wir nicht sehr irren, wenn wir die Gründung der Burg in die letzte Hälfte des zehnten Jahrhunderts, also vor das Jahr 1000 setzen. Solche Burgen werden Burgwarte genannt. Der Anführer der darin liegenden Besatzung war der Oberherr der Gegend, zog den Tribut ein, machte Anordnungen, handhabte Recht und Gerechtigkeit, und beschützte die einwandernden fränkischen und sächsischen Colonisten, die