Seite:Kurze Topographie und Geschichte der Kreis-Stadt Rothenburg.djvu/57

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an die Kirche ist die Sacristei und die Nieder-Neundorfer Gruft, welche beim Brande stehen geblieben waren.

Die frühere Kirche soll einen stattlichen Thurm gehabt haben. Im Jahre 1313 war er schon vorhanden. Bis über das Kirchendach war er im Viereck erbaut, und 1696 im Achteck bedeutend erhöht. Am 8. Juni 1714 brannte er aus, und die Glocken zerschmolzen. Er mußte etwas abgetragen werden, und bekam daher eine unförmliche Gestalt. 1798 wurde er mit Uhr und Glocken wieder ein Raub der Flammen. Der jetzige Thurm, 180 Fuß hoch, oberhalb des Kirchendachs im Achteck erbaut, mit Zink gedeckt, ist in den Jahren 1838–1840 durch den Maurermeister Kießler in Görlitz ausgeführt. Ein früherer Besitzer von Rothenburg, Christian Friedrich von Schrickell in Görlitz, hatte bei seinem Tode 1835 zur Erbauung desselben 2000 Thlr., und zur Anschaffung der Glocken 500 Thlr. legirt. Eine von Sr. Majestät im Jahre 1840 bewilligte Kirchen-Collekte trug mehrere hundert Thaler ein; auch gab Se. Majestät ein Gnadengeschenk von 100 Thalern. Die älteste Nachricht von den Glocken ist vom 14. August 1593, wo in Görlitz von Meister Martin Weigel eine 18 Centner schwere Glocke für Rothenburg gegossen wurde, die aber schon am 5. September desselben Jahres zersprang, als sie beim Läuten an einen eichenen Balken schlug. Da beim Brande 1714 die Glocken geschmolzen waren, so wurde in demselben Jahre eine große Glocke gegossen, wozu Mich. Husar, ein Rothenburger Bürger, einen Theil der Kosten gegeben hatte. Allein 1790 mußte sie umgegossen werden. Die mittlere Glocke war, wie die Inschrift sagte, 1715 von der Görlitzer Kaufmannschaft geschenkt.