Seite:Mitteilungen des Verbandes deutscher Vereine für Volkskunde 8.djvu/15

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B. Schüttelkopf und Fachlehrer Liebleitner, der erstere im südlichen Kärnten ungefähr 1000 Lieder, der letztere in Mittelkärnten 250 Lieder, 20 Jodler und 50 Vierzeiler, fast alle mit den Melodien. Im ganzen sind hier zusammengekommen 500 Lieder, 4 Volksschauspiele und 17 handschriftliche Liederbücher, darunter mehrere geistlichen Inhalts. In dem für Oberösterreich und Salzburg gemeinsamen Arbeitsausschuß haben der Komponist J. Reiter und die Lehrer J. Welser und M. Zauner die Sammeltätigkeit in die Hand genommen. In Mähren-Schlesien haben sich der Vorsitzende Musiklehrer J. Götz und die übrigen fünf Ausschußmitglieder je ein abgegrenztes Sammelgebiet ausgewählt. Bis Ende 1907 sind in beiden Ländern 900 Lieder, 1200 Vierzeiler, 500 Sprüche, 150 Tänze, 30 Kinderspiele und 12 Volksschauspiele zusammengekommen. Außerdem sollen die längst vergriffenen Sammlungen von Meinert und Peter neu gedruckt werden.

Ausführlicher kann ich natürlich über unsern Ausschuß für das deutsche Volkslied in Böhmen berichten. Ich bin zum Vorsitzenden, zum Leiter der Sammeltätigkeit, zum Herausgeber der Texte und zum Verfasser der Einleitung und der Anmerkungen bestellt worden, Prof. Dr. Heinrich Rietsch, der Vertreter der Musikwissenschaft an unserer Universität, der vor einigen Jahren das schöne Buch „Die deutsche Liedweise“ veröffentlicht hat, zum Redaktor der Singweisen. Prof. Dr. Hans Tschinkel übernimmt die Überprüfung der Schreibung der mundartlichen Lieder. Als tüchtigen Phonetiker hat er sich durch sein vor kurzem erschienenes Buch „Die Grammatik der Gottscheer Mundart“ bewährt. Zum Regierungsvertreter ist Statthaltereisekretär Rudolf Freiherr Procházka, der sich als Komponist und Musikschriftsteller einen guten Namen erworben hat, ernannt worden.

Die Sammeltätigkeit geht in Deutschböhmen etwas anders vor sich als in den übrigen Kronländern, und zwar aus folgendem Grunde: Im Auftrag der Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen, die ich hier vertrete, habe ich in den Jahren 1894 bis 1900 in ganz Deutsch-Böhmen mit Hilfe von ungefähr 200 Lehrern sämtliche Gebiete der Volksüberlieferungen gesammelt. Die Ergebnisse, darunter Tausende von Liedern und Singweisen und viele, zum Teil sehr alte handschriftliche Liederbücher sind im Volkskunde-Archiv der genannten Gesellschaft aufbewahrt. Diesen wertvollen Bestand hat die Gesellschaft dem Unternehmen des Unterrichtsministeriums unter der Bedingung überlassen, daß die wissenschaftlichen Ergebnisse der Bearbeitung des eingelaufenen Materials in den „Beiträgen zur deutschböhmischen Volkskunde“ von mir veröffentlicht werden sollen. Aus diesem Grunde hat auch das Ministerium unseren Arbeitsausschuß nicht zu einer allgemeinen Sammeltätigkeit verpflichtet, wie anderwärts, sondern nur zu einer ergänzenden. In diesem Sinne sind wir auch vorgegangen.

Unser Ausschuß mußte ferner einen Abschnitt der schon besprochenen Anleitung Pommers durch einen neuen ersetzen, den über die Schreibung der baierisch-österreichischen Mundart. Die Ausschüsse in den deutschen Alpenländern konnten ihn ungeändert übernehmen. Bei uns war das nicht möglich, weil das deutsche Volk in Böhmen – gegenwärtig zweieinhalb Millionen – verschiedenen Stämmen und Mundarten angehört. Trotz, der Mannigfaltigkeit der von Ort zu Ort sich allmählich verändernden Mundarten, kann man doch im ganzen vier große Gruppen unterscheiden, welche verschiedenen deutschen Stämmen angehören, die nicht nur in