Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.1.djvu/326

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und Selbstwürde seiner Geliebten; wohl aber die Wachsamkeit ihrer Hüter, ihr Wankelmuth, ihre habsüchtige Sprödigkeit, geben einen reichhaltigen Stoff zu Bildern der Feinheit, des Muths, und der Stärke einer unüberwindlichen und alles überwindenden Leidenschaft her.


Eilftes Kapitel.
Fortsetzung: Ueber die Gedichte der Sulpicia und des Cerinthus.

Unter die schätzbarsten und niedlichsten Kleinodien, die aus dem Alterthume auf uns gekommen sind, rechne ich die Lieder eines römischen Mädchens, denen eines von seinem Liebhaber beygefügt ist. Sie sind den Gedichten Tibulls angehängt, und weil sich eines darunter findet, das unstreitig von ihm ist, auf gewisse Weise damit vermischt. Sie werden ihm gemeiniglich zugeschrieben, und ich kann es nicht bezweifeln, daß sie von ihm herrühren. Einem Frauenzimmer gehören sie


Besonders das Carmen VIII. und die Stelle:

Sed peccasse juvat: vultus componere famae
Taedet: cum digno digna fuisse ferar.

Ich will nicht sagen, daß es mit dem geringsten Ueberbleibsel von Scham nicht zusammenstimmt, sondern nur dieß, daß es mit der ganzen übrigen Feinheit der Denkungsart der Sulpicia, ja was das Wichtigste ist, nicht mit ihrer Situation zusammenpaßt. Hier scheint der Mann, und besonders der Dichter durch, der (Lib. II. Eleg. III. v. 31.) sagen konnte: Sed cui sua cura puella est, fabula sit, etc.