Seite:Rudolf-Predigt1913.djvu/05

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ich gehe, dem ich darum auch willig folge; denn Gottes Wege sind allzeit gut und heilig.

 Und wenn ich dann nun in dieser Stunde meines Scheidens, am Abend meines Lebens, noch einmal zurückblicke auf die Wege Gottes, die Er mich geführt von meiner Jugend an und besonders in den Jahren meines Amtslebens, wie freundlich Er mich geleitet, wie vielfältig Er mich gesegnet, auch im Hause, mit Weib und Kindern, in meiner lieben Familie, wie oft Er mir geholfen aus Not und Gefahr, und wie Er mich getragen hat, bei allen meinen Gebrechen und Fehlern, dann fühle ich mich tief beschämt und muß loben und danken dem Herrn: „Ich bin viel zu gering aller Barmherzigkeit und Treue, die Du an Deinem Knechte getan hast.“[WS 1] „Bis hierher hast Du geholfen.“

 39 Jahre sind’s her, im Herrn Geliebte, seit ich ins Amt getreten bin, daß ich das Amt eines evangelischen Predigers habe führen dürfen, zuerst 31/2 Jahre in meiner ersten lieben Gemeinde in einer Vorstadt von Cöln, der damaligen Vikariatsgemeinde Nippes und dann 351/2 Jahre hier in meiner lieben Rosbacher Gemeinde. Meine lieben Freunde, wieviel hat sich doch in dem langen Zeitraum geändert, durch wieviel Wechsel und Wandel bin ich hindurch gegangen! Ganze Geschlechter sind vom Strome der Zeit hinweggespült worden, manche liebe Menschen, die mir im Leben nahe gestanden haben, sind geschieden. – Auch wir selbst sind andere geworden, welke Blumen, die der Herbstwind verweht. – Eins aber hat sich nicht geändert, eins ist mir treu geblieben auf meiner Lebensreise bis auf diesen Tag. Das ist die große Treue meines Gottes, die mich nie verlassen hat, seine unveränderlíche Gnade, die da währet von Ewigkeit zu Ewigkeit und die auch mich nicht verlassen hat, bis zu dieser Stunde. Diese Gnade

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Gen. 32,11.
Empfohlene Zitierweise:
Johannes Rudolf: Abschiedspredigt des Herrn Pfarrer Rudolf. Waldbröl 1913, Seite 09. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Rudolf-Predigt1913.djvu/05&oldid=- (Version vom 1.8.2018)