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„So! Jenen dunklen? Hohen? Den, dessen Stiefel geknarrt? O! der ist aber auch ein schöner Mann! Und wie redselig er ist! Und wie er zu scherzen versteht! Sein Mund ist golden!“

Ich fühle mich gleichsam wie mit Kohlen überschüttet! „Du hast kein Schamgefühl, Martha“, sag’ ich ihr.

„Da habt Ihr’s! Ich rede die reinste Wahrheit; vielleicht nicht? Schwöre doch! Siehst du? Deine Lippen tun sich gar nicht auf! Merke nur, was ich dir sagen werde; und Ihr laßt mich Atem schöpfen – was habt Ihr Euch alle so zusammengedrängt? Setzt Euch rings um mich herum und passet auf!“

Wir setzen uns und hören zu, während mein Herz zum Zerspringen pocht.

„Ich erfuhr, woher jene Tschumaken stammen!“

Ich schrie fast auf: „Ach! … und woher sind sie denn?“

„Sie sind alle aus Masowitschtsche.“

„Und woher hast du diese Nachricht?“

„Vom Meeresgrunde.“ Martha war in der Tat so, daß sie das, was ihr notwendig war, auch aus dem Grunde des Meeres erfuhr. „Jener, der sich an Domache anschloß,“ sagte sie, „heißt Danylo Dontschuk – und der mir am besten gefiel, Kyrylo Sawtyr.“

„Und was ist er für ein Mensch, jener Kyrylo?“ frägt die Olena Fakowenkowa, „jener heitere Blonde?“

„Du meinst – woher er stamme? Ich fragte nicht nach deinem Blonden; so ist es dir von Gott beschieden, Schwesterchen und deswegen närrisch zu werden, steht es uns nicht an. Mein Kyrylo – der ist „pures“ Gold und nicht ein „Tschumake“! Seine Augenbrauen sind schön geschweift und schwarz; fortwährend hatte er die Pfeife geraucht; düster ist er, als dächte er darüber nach, gegen die Türken zu ziehen, und unbeweglich, als wär’ er tatsächlich aus Erz gegossen! Er hatte sich nur einmal hören lassen, suchte keines der Mädchen einzufangen und schaute mich nur zweimal an und auch das auf eine Art, als wär’ es zufällig und ohne seinen Willen geschehen. Es ward mir schier ängstlich zumute; während alle scherzten und lachten, stand er allein ruhig da und zuckte bloß hie und da mit den Augenbrauen. Ein solcher Kranich gefällt mir! Aber da ist nichts dagegen zu tun, möchten sie nur bald wieder aus der Krim heimkehren!“

„So – was dann?“ frag’ ich.

„Dann werden sie um uns freien,“ sagt sie. „Gewiß, freien werden sie um uns! Und nun Mädchen, besingen wir Domache!“ Und sie begann ein Liedchen zu singen, das sich auf mich und Danylo bezog.

„Sag’ doch Martha-Herzchen, woher weißt du das alles? Wer sagte das alles?“

„Ich schickte die weißbeflügelte Elster aus und sie brachte mir zwei Nachrichten unter dem rechten Flügel verborgen: die eine über Kyrylo, die andere über Danylo.“ So schnitt sie mit Witzen und Scherzen eine weitere Erklärung ab und die Wahrheit erfuhr ich nicht.

(Schluß folgt.)



Verantwortl. Redakteur: Roman Sembratowycz in Wien. – Druck von Gustav Röttig in Ödenburg.
Eigentümer: Das ruthenische Nationalkomitee in Lemberg.
Empfohlene Zitierweise:
: Ruthenische Revue, Jahrgang 2.1904. Verlag der Ruthenischen Revue, Wien 1904, Seite 96. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:RuthenischeRevue1904SelectedPages.pdf/108&oldid=- (Version vom 10.9.2022)