Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 2.pdf/100

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die Prägestempel schnitt, auch für den Wiener Hof ähnliche Werke, wie für Dresden angefertigt hat. Bei Kurfürst Johann Georg I. (r. 1611–1659) hat er sich zuerst durch ein getriebenes Relief 1621 eingeführt auf dem dieser von Merkur und Minerva zum Kampf ausgerüstet wird (I, 23). 1622 entstand das Bildnis des zu Pferd nach rechts sprengenden Kurfürsten (I, 22). Darauf lieferte er 1623 das Bildnis von des Kurfürsten Vater Christian I., das diesen in Harnisch vor einer Säule neben einem Tisch stehend zeigt, auf dem die Insignien seiner Würde und sein Helm zu sehen sind. Offenbar nach einem Ölbildnis, wie solche damals in dieser repräsentativen Aufmachung allgemein üblich waren. Die Bildnistreue des Kopfes scheint aber nicht allzu überzeugend. (Tafel 46, 1.) Besser getroffen, weil nach dem Leben dargestellt, ist das 1625 hergestellte Bildnis der Tochter von Johann Georg I., Sophie Eleonore, Tafel 46, 2, die 1627 den Landgrafen Georg II. von Hessen-Darmstadt heiratete. Dabei hat der Silberschmied ein Bildnis der Prinzessin, das im Jahr zuvor lebensgroß in Öl gemalt worden war, nur mit Ausnahme der Musterung des Rockes, getreu kopiert, doch aber den Kopf mit gereifteren Zügen zum Ausdruck gebracht, hierzu also die Prinzessin selbst vor Augen gehabt. Was nun aber auf dem gemalten Bild weniger auffällt, das kommt auf dem Reliefbild doch störend zur Erscheinung: die perspektivische Darstellung des tonnenförmigen Rockes, der an sich schon als Monstrum der Modetracht wirkt. Die Darstellung einer einzelnen Gestalt zugleich mit der perspektivisch vermittelten Vorstellung des Raumes scheint doch dem Relief weniger günstig. Besser wirkt schon das von S. Dattler 1630 ausgeführte Relief der Gruppe des Kurfürsten mit Frau und ältestem Sohn (I, 30). Eine glücklichere Lösung dieser seit der Renaissance vorherrschenden malerischen Reliefdarstellung wird erzielt, wenn, wie bei dem Relief des Spiegeldeckels von Eisenhoit, die im Vordergrund stehenden Gestalten von dem weit in die Ferne gerückten Hintergrund losgelöst erscheinen, oder aber, wenn wie bei dem antiken Relief hinter den menschlichen Gestalten keine in die Tiefe ausgedehnte Raumschicht sich geltend macht. Will aber doch das Relief auch hierin mit dem gemalten Bild die gleiche Wirkung erreichen, dann müssen die Gestalten mit allen übrigen Erscheinungen des Bildes dem alles beherrschenden Gesetz der Perspektive untergeordnet bleiben. So wirkt schon glücklicher das 1623 von Dattler hergestellte Relief der Befreiung der sächsischen Prinzen (I, 19). Doch aber liegt die Bedeutung des Meisters nicht auf diesem Gebiet, sondern auf dem der geprägten Medaille.