Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 2.pdf/244

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Die Kugeluhr des Augsburger Uhrmachers Hans Schlotheim vom Jahre 1602 in Gestalt eines hohen, silbervergoldeten achteckigen Turmes. Der Turm steht auf einem dreistufigen, achteckigen, hölzernen, von gegossenen Harpyien getragenen Unterbau und steigt, sich in drei Geschossen verjüngend, empor, oben eine Plattform mit Geländerabschluß und eine offene Laterne mit Kuppelgewölbe und darüber in Spiralen ansteigender Spitze, die als Krönung eine Bergkristallkugel unter einem Doppeladler trägt. Das unterste achteckige Geschoß ist von Säulen flankiert, mit silbernem Zierat besetzt und hat in sieben Nischen aus Silber getriebene, mit Lackfarben bemalte, allegorische Frauengestalten, die sieben freien Künste: Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Musik, Astronomie, Geometrie, Arithmetik. Das achte Wandfeld vorne enthält das Zifferblatt. Über diesem Untergeschoß enthält der Boden des mit einem Geländer abgeschlossenen Altans eingraviert einen Kalender des ganzen Jahres; auf dem Altan stehen hinter dem Geländer an den Ecken acht wieder in Silber getriebene und mit Lackfarben bemalte Musikanten mit beweglichen Köpfen und Armen, die beim Stundenschlag ihre Instrumente zum Munde führten, während eine in der Uhr befindliche Orgel ein Stück spielte. Um die beiden Obergeschosse von jedesmal geringerem Durchmesser windet sich, an den acht Kanten von Pfeilern umfaßt, in siebzehn Spiralen eine Laufbahn, auf der jede Minute eine Kristallkugel herabläuft, um von unten dann im Innern durch ein Hebelwerk wieder emporgeführt zu werden. Auf dem Altan des obersten Geschosses stehen um die Laterne herum, wieder in getriebenen, silbernen und mit Lackfarben bemalten Figuren die Planetengötter, von denen Saturn mit einem Hammer in jeder Minute auf eine Stahlglocke schlägt. Außer weißsilbernen, ornamentalen, ausgesägten Zieraten ist die Uhr an den beiden Obergeschossen durch je drei Reihen fensterartig umrahmte, getriebene, weißsilberne Reliefplatten mit den Büsten der römischen Kaiser geschmückt. Ferner sind die Sockelfeder des achteckigen Untergeschosses mit je drei Medaillons geziert, auf denen die Köpfe der deutschen Kaiser getrieben sind. An jedem Bildnis ist der Name des Herrschers eingraviert und gepunzt. Unter dem Zifferblatt am Sockel befindet sich das Bildnis des Kaisers Rudolf II. und des Kurfürsten Christian II. und dazwischen das sächsische Wappen. – Von diesem Kurfürsten wurde die Uhr bei ihrem Verfertiger 1602 für 2400 Gulden gekauft und am 31. Dezember 1603 seiner Gemahlin, der Kurfürstin Hedwig, geschenkt. Darauf gelangte die Uhr an den jüngeren Bruder des 1611 verstorbenen Kurfürsten, Herzog August, Administrator von Naumburg, 1589–1615, was daraus zu erkennen ist, daß auf dem Herzschild des Doppeladlers das Herzoglich Sächsische Wappen und das Wappen des Stiftes Naumburg eingraviert ist. Schon 1614 kam dann die Uhr in die Kunstkammer. – (H. der Uhr 1,12 – V. 140.)