Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/120

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in ihrer Verzierung mit dem bei ihm beliebten hellen Blau emailliert, zu dem ein dunkles Blau am Knauf als Gegenwirkung kommt. Seiner Vorliebe für tierische Motive folgt er in der Bildung des Henkels durch zwei umeinander gewundene Schlangen und durch die vorn aufgesetzte Drachenbüste.

Ist bei einem solchen Stück die Form eines Gefäßes, das zu keinem praktischen Zweck bestimmt ist, nur der Vorwand, um einen Ziergegenstand herzustellen, so emanzipierten sich die Goldschmiede von solchen Fesseln der Phantasie zur Zeit Augusts des Starken in zahlreichen kleinfigürlichen Kompositionen, in denen sie ihrer Erfindungsfreude ungehemmten Lauf lassen und dabei all ihre Künste entfalten konnten. Schon während des 17. Jahrhunderts hatten die Silberschmiede gern kleine Figuren, sei es als Stützen, sei es als Krönungen ihrer Gefäße verwendet. Daneben aber hatten sie auch davon unabhängig solche Figürchen dargestellt, so besonders in Verbindung mit Uhren und mechanischen Triebwerken als bewegliche Automaten. Die Vorliebe für Statuetten als Zimmerschmuck fand zuvor schon im 16. Jahrhundert Befriedigung zumeist im Bronzeguß und in der Bildschnitzerei in Holz. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kamen dazu die Elfenbeinschnitzer, indem sie die zuerst nur auf der Drehbank hergestellten Ziergefäße, ebenso wie die Silberschmiede, durch Figuren belebten, dann die Wände solcher Humpen und Pokale mit geschnitzten Relieffiguren erfüllten, schließlich aber zur Herstellung von Freifiguren übergingen. Diese hatten aber auch um 1700 herum noch die Größe von über 20 cm. Dann jedoch schnitzten sie daneben zunehmend Figürchen von nur Fingerlänge und damit zugleich bevorzugten sie auch ein anderes Stoffgebiet. An Stelle der mythologischen Gestalten traten jetzt Figuren aus dem Leben. Das Leben des Volkes, das von den niederländischen Malern zuerst allgemein in die Welt der Kunst eingeführt und das durch den Kupferstich, besonders von Jacques Callot (1592 bis 1638) und seinem Schüler Stefano della Bella (1610–1670) in ganzen Szenen den weitesten Kreisen vor Augen gestellt worden war, wurde daneben in Einzelfiguren in ihren typischen Berufen, und zwar solchen, die zumeist auf der Straße ausgeübt wurden, durch eine Folge von 80 Radierungen festgehalten, die Giuseppe Maria Vitelli nach Zeichnungen des 1609 verstorbenen Malers Annibale Caracci, im Jahr 1660 hatte erscheinen lassen: Di Bologna l’arti per via. Diese Folge von Darstellungen gab die Anregung für eine Reihe ähnlicher bis tief in das 18. Jahrhundert hinein entstandener Kupferstichfolgen,