Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/64

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Catharina schenkte ihrer Schwester Isabella um 1590 einen mit goldenen Figuren und Juwelen geschmückten Ebenholzkasten, besetzt mit neun Kristallplatten mit den eingeschnittenen Triumphen des Apolls, der vier Elemente und der vier Jahreszeiten, zweifellos Mailänder Arbeiten der Sarachi. Philipp II. stiftete den Kasten 1593 der Kirche des Escorial als Reliquiar. Bonnaffé schreibt in l’Art 1887 die Gold- und Juwelenarbeit dem Croce zu. Leider aber wurde der Kasten all seines Außenschmuckes beraubt und 1885 in Paris erneuert. Es fehlt uns also, falls nicht das Innere des Kastens noch Aufschluß gibt, die Möglichkeit, darüber ein Urteil zu gewinnen, welchen Stil die Arbeiten des Croce hatten und ob wirklich Croce oder der Goldschmied Giv. Antonio Saracho die Ausschmückung gemacht hat. Die Kunst des letzteren ist uns bekannt durch seine Ausstattung der Neptunsvase in München. Die Kunst des ersteren könnte daneben ja auch für einzelne Dresdner Stücke in Betracht kommen.

Wie Jacopo da Trezzo der führende Meister der nach Spanien berufenen Mailänder Edelsteinschneider war, so scheint in Mailand selbst der Bildhauer Annibale Fontana (1540–87) maßgebenden Einfluß auf die dort tätigen Kristallarbeiter ausgeübt zu haben. Er war vorzugsweise als Bildhauer tätig, wovon seine Skulpturen an und in S. Maria presso S. Celso in Mailand Zeugnis ablegen. Doch nennt ihn zugleich Raffaele Borghini in Riposo 1584 rarissimo im Edelsteinschnitt, auch werden ihm solche Arbeiten zugeschrieben. Von diesem Meister hat nun Ernst Kris in der Ambrosiana zu Mailand nach gef. mündlicher Mitteilung eine mit seinem Namen bezeichnete Kopie einer Vorzeichnung zu dem eingeschnittenen Figurenschmuck der Dresdner Bergkristallflasche gefunden, die wie erwähnt in dem Inventar der Schatzkammer 1588 beschrieben wird. Seine ausgebreitete Tätigkeit als Bildhauer läßt es als wahrscheinlich erachten, daß er für die Ausführung auch noch andere Edelsteinschneider zuzog oder für diese Entwürfe lieferte, wofür zunächst an die Sarachi zu denken ist. Für die flauere Ausführung des Steinschnitts glaubt E. Kris nicht an Fontana selbst denken zu können. Hat ein Saracho die Flasche geschnitten, dann kann man für die Goldfassung auch nicht an Croce denken, sondern an Gio. Antonio Saracho.

Über die in mehreren Generationen in Mailand im Bergkristallschnitt tätige Familie der Sarachi gibt uns Morigia genauere Auskunft. Er nennt fünf Brüder, die in der ersten Generation sich als Edelsteinschneider auszeichneten: Gio. Ambrogio, Simone, Steffano, Michele und Raffaello, von denen 1595, als er