Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/99

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Weise sehr glücklich mit einer faunsähnlichen Fratze verkleidet, auf der ein fressender Affe sitzt. Die Absicht, lediglich ein Zierstück zu schaffen, wird noch weiter bekundet durch den Besatz der Muschelfassung mit Türkisen, Rubinen und Granaten, dadurch wird der farbige Reiz des Perlmutterglanzes noch gesteigert. Mag auch eine Reihe ähnlich kleiner Zierstücke im Grünen Gewölbe noch an der Verwendung von Perlmuttermuscheln festhalten, das Luxusbedürfnis trieb doch schon zur Bevorzugung kostbarerer Stoffe und hierbei zur Wahl verschiedenfarbiger Steine in mannigfacherer Formgestaltung, daneben zugleich meist auch der Fassung in Gold, verziert mit Email und Edelsteinen. Die Anregung dazu war offenbar aus Italien gekommen, das wiederum das Erbe der Antike übernommen hatte und fortbildete.

Bei einer auf Tafel 27 oben rechts abgebildeten Schale in Form einer Tasse wird dies schon durch die Inschrift bestätigt. Diese besagt in lateinischen Worten, daß das in Alexandrien gefundene antike Gefäß aus edlem Serpentin einer so kostbaren Fassung würdig befunden sei. Weniger die Form des Gefäßes, als die Verehrung der Antike hat dies veranlaßt. Denn jenes ist nicht etwa ungewöhnlich zierlich oder graziös, erst die goldene und emaillierte Fassung verleiht ihm den besonderen Reiz. Wie die Tasse durch die drei Delphine über den Boden gehoben wird und dadurch doch ihrer gedrungenen Form Rechnung getragen wird, das verrät schon einen feinen Sinn für die in ihr gelegene Gestaltungsmöglichkeit, die zugleich noch bedingt war durch den aus demselben Stück geschnittenen wagrechten Angriff. Dieser wurde mit Gold beschlagen und hat einen Widderkopf mit emporgerichtetem Hals erhalten, der nicht nur äußere Zierde ist, sondern auch zugleich zu besserer Handhabung dient. An dem Außenrand wird der Beschlag mit einem romanischen Rundbogenfries fortgesetzt und der darüber ausgebogene Mundrand mit Randbeschlag bekundet wieder neben seiner gefälligen Formbildung zugleich die wohlerwogene Rücksicht auf die Zweckerfüllung der Schale als Trinkgefäß. Das gleiche gilt für den Goldbeschlag der anderen Schale aus edlem Serpentin mit kurzem Fuß auf derselben Tafel 27 oben links. Deren Randbeschlag dient nicht nur als Verzierung, vielmehr wird durch den hinzugefügten Henkel und die gegenüber angebrachte Ausgußschnauze in Form eines Fischkopfes das Schälchen als handliches Gießgefäß verwendbar. Als Verzierung dienen Akanthusmotive. Das größere Schälchen ist schon in dem Inventar der Schatzkammer beschrieben als „an der Handhabe mit Gold beschlagen“. Bei diesen beiden Schälchen mit einer vom Gebrauchszweck