Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/415

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Natur, kann wohl nirgends besser gedeihen als wo sie frey und ungezwungen von der lieblichen Mutter gepflegt und erzogen wird. Schon der alte gekrönte Poet Bornmann entwirft in seiner Gedicht „Mitau“ im Jahr 1636 ein schmeichelhaftes Bild von den Schönheiten dieser Stadt und sagt:

Über alle ist das Kohr schöner Nymphen hoch zu preisen,
Die zwar durch den schwarzen Flor nur der Schönheit Schatten weisen,
Und mit weißen Mummeldecken, wie der Mond bey dunkler Nacht,
Ihrer Wangen Schnee verstecken, der doch zehnmal feiner lacht,

Aber ihrer Augen Licht, und der schöne Stirnenhimmel,
Weichen keinen Sternen nicht, auch der Reden süsser Kümmel
Giebt den angenehmen Sitten einen Huld beseelten Geist,
Daß in allen Thun und Schritten Amor seine Flammen weis’t.

Sie sind alle wohlgeschickt, Haus und Kinder zu regieren,
Und was die Natur geschmückt, noch viel besser auszuzieren,
Keuschheit, Ehre, Zucht und Liebe, schenken süßen Bitterwein,
Daß die schmucken Herzens-Diebe freundlich und doch erbahr seyn.

Empfohlene Zitierweise:
Ulrich von Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland. C. J. G. Hartmann, Riga und Leipzig 1809, Seite 400. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/415&oldid=- (Version vom 19.5.2019)