Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/59

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Erhaltung dankt. Ein durchdringendes Geschrey am Ufer des Sees störte mich in meinen Betrachtungen. Ich hätte mir freylich einbilden können, daß irgend ein Waldgott eine schlummernde Seenymphe überrascht habe, und diese sich nicht mit stumpfen Nägeln wehrte. Indessen traten, nur zu sichtbar, ein paar alte Bauerweiber hervor, die einander — Gott weiß warum — die bittersten Vorwürfe machten, und mit vieler Deklamationsfertigkeit und mimischem Pathos die Fehler aufzählten, die einer jeden von der andern bekannt war. Da mußte denn wohl in dieser schreyenden Wirklichkeit der herrliche Traum schwinden. Zu rechter Zeit erinnerte ich mich jedoch, daß selbst Homer — ob gerade im Schlummer, der ihn, nach Horaz, beschlichen haben soll? — weiß ich nicht — im Streite der Juno und Diana, jene zu dieser sagen lälst:

„dreiste Hündin, du unterstehst dich,
mir so zu begegnen?“[1]

und wahrlich, gerade dasselbe — nur nicht

  1. Nach der Stolbergschen Übersetzung.
Empfohlene Zitierweise:
Ulrich von Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland. C. J. G. Hartmann, Riga und Leipzig 1809, Seite 48. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/59&oldid=- (Version vom 1.3.2019)