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Liste.png Verschiedene: Wünschelruthe

Volkslieder.




9.

     Ach Schatz darf ich dich bitten
Was hab ich dir zu Leid gethan,
Daß du mit mir nicht reden willst,
Meine Wort nicht hörest an,

5
Ey so bitt ich dich von Herzen,

So werd ich bald quittirt.

     „Der Abschied ist geschrieben
Das Körblein ist gemacht,
Nimm du nach deinen Belieben,

10
Viel Tausend gute Nacht,

Nimm du dein Körblein hübsch und fein
Leg du dein falsches Herz darein,
Und sey hinführo nicht so stolz
Und laß das Lieben seyn

15
Denn hübsch und fein, des bist du nicht

Das wist du selber wohl,
Denn deines gleichen wie du bist,
Das find man überall,
Wär’st du nicht zu mir kommen,

20
Ich habe dir keinen Boten geschickt,

Ich habe schon längst vernommen,
Dein falsches Angesicht,
Denn schön und reich das bist du nicht,
Das weist du selber wohl,

25
Denn deines gleichen wie du bist,

Das find man überall“.




Ueber altdeutsche Gemälde.




(Fortsetzung).

Bloße Nachahmung des Dombildes oder ähnlicher Werke finden wir deutlicher in einigen kleinen Bildern, worunter besonders einige Heilige in der Wallraffschen Sammlung, an denen das Helle und Duftige des alten Styls ins Schwächliche übergeht, und eine Maria unter den Gemälden des Pastors Fochem auffallen. Dagegen haben wir ein größeres Beispiel von dem, was sich durch die erste hinzutretende Kenntniß des Niederländischen entwickelte, in einem jüngsten Gerichte bei Wallraff, wozu die Flügel, die Marter der zwölf Apostel auf zwölf kleinen Feldern vorstellend, sich im Besitze des Herrn Dossetti befinden. Zum Theil mag es der Gegenstand seyn, der hier die schärfere Charakteristik nothwendig machte, aber man sieht wie auch noch ein ganz besonderes Streben danach hinzukam, welches, bei der Ungeübtheit und dem Festhalten an der alten Idealität auf der andern Seite, etwas zum Theil verzerrtes zur Folge haben mußte. Schön und würdig ist der obere Theil des Bildes. Christus in der Mitte richtend, die Lilie in das rechte Ohr, das Schwerdt aus dem linken gehend; Maria und Johannes vor ihm knieend; die Anordnung wie auf Eycks jüngstem Gericht in Danzig; der Ausdruck ohne festen Charakter, aber anmuthig; Maria jugendlich, mit der griechischen Form des Gesichts; Alles gehoben durch eine großartige Antithese der dunkelglühenden Farben, die sich eigen bei den unbestimmten und verlorenen Umrissen ausnehmen, aber schön aus dem Goldgrunde hervortreten; Christus in rothem, Maria in blauem, Johannes in grünem Mantel; der Faltenwurf einfach und schön. Unten ist die Menge kleiner Figuren in so zugeründete Haufen gedrängt, sowohl die Seligen als die Verdammten, und die Einzelnen treten so wenig daraus hervor, daß man auf den ersten Blick denken möchte, ob dieß nicht überhaupt eine große Masse symbolisiren solle; und doch ist bei den Verdammten die Bemühung, jedem seinen eigenthümlichen Grimm und Schmerz zu geben, bis zum Eckelhaften weit getrieben. Die Anordnung ist sonst wie gewöhnlich; Petrus empfängt die Frommen, die beim Eintritt von Engeln Kleider erhalten, an den gothischen Pforten des Paradieses, deren Architektur sehr zierlich und auch perspektivisch richtig gearbeitet ist, aber mehr wie Schnitzwerk aussieht; die Gottlosen werden von Teufeln mit Ketten, die den ganzen Haufen umschließen, in den Höllenrachen, gezogen; vorn sperrt sich besonders ein dicker Mönch, der dem Auge ordentlich wehe thut, und wie das meiste Nackte schlecht gezeichnet ist. In der Mitte stehen noch einige Todte aus den Gräbern auf, um andere kämpfen Engel und Teufel. Die Engel die oben in der Glorie mit den Passionswerkzeugen zu sehen sind, haben lange blaue fliegende Kleider, die unten spitz zulaufen, wie auf dem Dombilde. - In derselben Art sind die Flügel; einige der Apostel, besonders der knieende Paulus, der betet während der Henker das Schwerdt auf ihn zückt, vortrefflich; manche der Henkersknechte durch das Streben nach dem Natürlichen gemein und selbst karrikaturmäßig, und fast mehr als wir es uns auf irgend vordürerischen oberdeutschen Werken gesehen zu haben erinnern; bei den schmählicheren Todesarten des Gräßlichen nichts gegespart.

(Die Fortsetzung folgt).




Tanzreim aus Thüringen.

     Es ist kein Apfel so schön und rund
Es sind zwei Kernlein darin,
Es ist kein Mädchen im ganzen Land
Es hat einen falschen Sinn.

Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene:Wünschelruthe. Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht, 1818, Seite 108. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:W%C3%BCnschelruthe_Ein_Zeitblatt_108.jpg&oldid=3409227 (Version vom 1.8.2018)