Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 2,1.pdf/215

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ein Verhängnis. Gerade hier an dieser schicksalsvollen, stets bewegten Ecke und gerade jetzt in diesen Jahren stürmischer Entwickelung würde ein Regiment genützt haben wie das des alten Rudolf gewesen war.

In der Basler Politik galt die Markgrafschaft nie als eine gefährliche Macht. Sie imponierte in keiner Weise. Aber man stand im engsten nachbarlichen Verkehre. Ein nie nachlassendes, vielmehr stets wachsendes, tausendfach geformtes Zusammenleben der beiden Bevölkerungen, in wirtschaftlichen und persönlichen Beziehungen aller Art sich bezeugend, waltete seit Jahrhunderten über die Grenze hin und her. Für den Bewohner des Markgrafenlandes war Basel seit Alters „die Stadt“, für den Bauer so gut wie für den Fürsten. Die Markgräfin Katharina, eine geborne Tiersteinerin und Frau des 1353 gestorbenen Rudolf von Hochberg-Sausenberg, verlebte ihre lange Witwenzeit in Basel und fand hier im Münster auch ihr Grab (1385); an der Eisengasse, am Fischmarkt, an der Freienstraße besaßen die Markgrafen Liegenschaften; ihr Absteigequartier lag in der Gasse bei den Augustinern. Reiche Vermächtnisse gab der Markgraf 1423 den Basler Gotteshäusern, unter diesen auch dem Clarakloster, in dem mehrere seiner Töchter den Schleier hatten nehmen müssen und 1419 an der Seuche gestorben waren.

Aber wichtiger war der tägliche Handel und Wandel auf den Gebieten der Gewerbe, der Administration, der Rechtspflege, und der in Ausübung Bestreitung Wiederherstellung Festlegung dieses Grenzlebens sich unaufhörlich bewegende Verkehr der beiden Regierungen.

Seit Basel im Jahre 1400 die großen Sisgauer Pläne des Markgrafen Rudolf vereitelt hatte, war dieser ein auf jede Schwäche und jeden Übergriff Basels rasch aufmerkender Nachbar. Wie er zu Beginn der 1420er Jahre Vogtei und Transitzoll zu Basel als Reichspfandschaften an sich zu bringen suchte, ist schon erzählt worden; in denselben Jahren hatte er mit Basel noch andern Streites die Fülle. Ein Vergleich von 1419 hatte nur kurze Rast gebracht. Erst ein Schiedsspruch, am 16. Februar 1422 durch Bischof Hartman von Basel und Boten der Städte Bern und Solothurn ausführlich und sorgsam gefällt, ordnete die Verhältnisse so, daß wir mehrere Jahrzehnte lang nichts Hauptsächliches mehr vernehmen. Der Markgraf war klagend aufgetreten wegen der Rechte zu Kleinhüningen, wegen der Wiesenfischerei, wegen Jagens der Basler in seinen Waldungen, wegen Arrestierung der Seinigen bei Schuldsachen, wegen der Steingrube am Horn usw.; Basel dagegen beschwerte sich darüber, daß die Seinen an Erbschaften im Markgräflichen gehindert würden sowie am Gebrauch der geistlichen Gerichte wider ihre dortigen Schuldner, daß der Markgraf auch den freien

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 194. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/215&oldid=- (Version vom 1.8.2018)