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Verkehrsmittel die Schiffahrt. Bei deren Betrachtung treten wir vor ein uns fast völlig fremd gewordenes Leben Basels.

Statt der Landstraße, die der Mensch mit Mühe baute, kaum zu unterhalten vermochte, selten ohne Sorge befuhr, bot sich hier eine Verkehrsart von eigentümlichem Reiz, auf einem durch die Natur selbst gebotenen Wege, der wohl auch seine Gefahren hatte, aber immer offen, ungehemmt, mächtig und leicht dahintragend war.

Solche Bedeutung hatte der Rhein. Nicht mehr als der im politischen und geistigen Leben der Nation vor allen andern ausgezeichnete Strom, aber für Wirtschaft und Verkehr noch immer von der höchsten Bedeutung. Ihn berührten keine Landesgrenzen, frei strömte er durch Alles hindurch als des Reiches größte und ewige Straße. Wiederum wird uns die ungewöhnliche Bedeutung der Lage Basels klar. Die Schwelle von Bergland und Ebene beherrschend schloß und öffnete diese Stadt den Rhein für die untern wie für die obern Lande. Hier begann die große Stromschiffahrt; Basel und das Meer waren deren Endpunkte. Die Natur selbst hatte Basel zur Schiffahrerstadt, zum Lotsen- und Stapelplatz gemacht; der Rhein, der die Stadt an diese Stelle gerufen genährt und emporgebracht hatte, war ihr gewaltigster Diener.

So reich, das Mannigfaltigste und Einzelne berührend, die Nachrichten sind, wird es uns doch schwer, die Macht dieses alten Wasserverkehrs zu erkennen. Der Strom trug Leute und Lasten. An die Basler Schifflände legten sich, die hohen Halden vorbei und ins Land hinab gingen unaufhörlich Transporte von Holz Eisen Stein, Kaufleute und Kaufmannsgüter, Ballen Fardel Fässer Säcke u. dgl.; schifften die Pilger aller Art, die schon in gewöhnlichen Zeiten nie fehlten, aber bei Wallfahrten und Jubiläen in gewaltigen Scharen hier durchdrängten; fuhren die Gäste der Bäder im Argau, die rastlosen Gesandtschaften der Städte, die Fürsten und Könige. Nur diese höchste Belebtheit des Wassers, die zugleich das Natürliche war, konnte dem Sebastian Brant den Gedanken des Narrenschiffes geben; von seinem Fenster sah der Dichter tief hinab auf den von Fahrzeugen wimmelnden Rhein.

Aber der Verkehr ging meist nur in einer Richtung, war nur Talfahrt. Kein Hin und Her, kein Auf und Nieder wie bei den Reitern und Wagen. Auch die Schiffe blieben entweder unterwegs in Basel liegen oder weiter unten in Straßburg Mainz Köln, um dort als Nutzholz verbraucht zu werden. Sie kehrten nicht mehr zurück, und die Folge war hier eine beständige Erneuerung des Schiffsbesitzes.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 487. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/508&oldid=2955219 (Version vom 20.11.2016)