Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/338

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Wir sahen die Kraft der Zeit auf allen Gebieten zu Neuem und zu Befreiung von Bisherigem drängen. Sie äußert sich nun auch, mit noch reinern Zielen, weiter ausgreifend und tiefer wühlend, als eine Bewegung, die dem religiösen und dem kirchlichen Leben gilt.


Großartig ist noch immer die Alles überspannende Einheitlichkeit des Kirchenganzen. Auch Basel begrüßt — im selben Monat Mai 1512, da seine Truppen für den Papst in die Lombardie ziehen — den Zusammentritt des Konzils zu Rom. Wenige Monate später notifiziert Papst Leo dem Basler Bischof seine Wahl, und auf diese Kunde hin vollzieht sich hier eine gewaltige Feier, bei der Volk und Klerus der Stadt in Prozessionen vereint für die Stärkung des Glaubens und das Heil der Christenheit beten.

Das damalige Kirchenwesen Basels steht vor seiner Zeit und auch vor uns noch als eine starke und glänzende Erscheinung. Im engen Kreise dieser einen Stadt ist tatsächlich Alles vorhanden: die Massen der Weltpriester, die klösterlichen Gemeinden jeder Art, die Volkskirchen, die Kapellen, die opulenten Chorgenossenschaften, die Bischofsmacht. Dies Alles zusammen bildet die eine große Form, die Heilsanstalt ist und einziger Zugang sein will zur ewigen Seligkeit, und die noch so viel Andres umschließt: Pflege der Armut, wissenschaftliche Arbeit, Schule, Bau- und Schmucksinn, ökonomische Kraft. Was dabei Kultus und Form der Andacht heißt, ist breit großartig gestaltenreich, oft von phantastischer Herrlichkeit, hohen Ansprüchen der Sinne genügend und auch im Tiefsten zu erschüttern geeignet.

Freilich bietet ein so ausgedehntes Ganzes auch dem Tadel Stellen. In der Kirche selbst lebt die Überzeugung von der Notwendigkeit einer Reform, und die Bemühungen hiefür sind vielleicht das Beste in dem sonst inhaltslosen Episkopate Christophs von Utenheim.

Worauf es für uns hier ankommt, ist nicht den Zustand der Kirche zu erkennen, sondern die Meinung von ihr.

Die absichtlich scharf formulierte Klage Bischof Christophs 1503, daß fast alle Laien den Klerikern Feind seien; dann die Invektiven Wimpfelings,

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 317. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/338&oldid=3403251 (Version vom 1.8.2018)