Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/456

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Paracelsus war geboren im Jahre 1493 zu Einsiedeln, als Sohn des Arztes Wilhelm von Hohenheim, eines unehelichen Sprossen der schwäbischen Adelsfamilie Bombast von Hohenheim. Neunjährig kommt er nach Villach; im Unterrichte seines Vaters, in den Bergwerken und Schmelzöfen, bei Sigmund Füger in Schwaz usw. tritt er der Natur nahe, lernt er die Metallgewinnung, die Scheidekunst, die chemischen Produkte kennen. Dann beginnen die Wanderjahre. Auf weiten Fahrten durch alle Länder Europas, ohne die Zucht geordneter Studien bildet sich dieses reiche Ingenium. Nicht die Schule und nicht das Buch sind es vor Allem, die dem Paracelsus die Herrlichkeiten des Wissens erschließen. Er lernt in der Natur, „wo Gott selbst die Mittel hingelegt hat“; er lernt von Landfahrern gleich ihm, von Bauern Hirten Werkleuten, vom gemeinen Mann überhaupt; auch bei Zigeunern lebt er und wird eingeführt in uralte fremde Weisheit und Heilkunst. Aber nichts Einseitiges und Befangenes ist hiebei. Paracelsus kehrt da und dort auch bei Universitäten an und macht sich mit der geltenden Medizin, mit den gepriesenen Lehrbüchern bekannt; in Ferrara erwirbt er den Doktortitel.

Dann zum ersten Male 1526 wird Paracelsus, dreiunddreißigjährig, in unserer Nähe sichtbar, in Straßburg. Dort erwirbt er das Bürgerrecht.

Sein Ruf eines erfahrenen Medicus und Chymicus muß von Straßburg nach Basel gedrungen sein, wo er sofort Gelegenheit erhält, seine Fähigkeiten zu zeigen. Durch die rasche Heilung eines Fußleidens von Johann Froben, das die Basler Ärzte nicht haben bezwingen können. Damals wohl rufen die Anwesenheit und das sichtbare Können des merkwürdigen Mannes dem Wunsche, ihn dauernd für Basel zu gewinnen. Der frobenische Kreis sowie Ökolampad empfehlen den Paracelsus, und im Frühling 1527 kommt die Wahl zu Stande. Der Rat ernennt den Paracelsus zum Stadtarzte, neben dem seit 1523 dieses Amt besorgenden Oswald Bär, und trägt ihm auf, medizinische Vorlesungen in der Universität zu halten, unter Bewilligung eines Honorars aus der städtischen Kasse.

Wenn aus der Tätigkeit des Paracelsus in Basel beinahe nur Erregendes und zum Streite Führendes bekannt wird, so gilt dies schon von seinem ersten Auftreten. Seine Stellung zur Fakultät ist von Anbeginn verdorben.

Zunächst wegen formellen Ungenügens. Paracelsus ist vom Rat ernannt, aber, weil er Immatrikulation und Inkorporation unterläßt, nicht Ordinarius der Fakultät. Sein Anspruch, zur Benützung des medizinischen

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Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 435. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/456&oldid=3403381 (Version vom 1.8.2018)