Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/522

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sich in Versammlungen und Banketten organisierten, so taten die Altgesinnten mit ihren Leuten; im Zunftsaale zu Metzgern hielten sie ihre Parteischmäuse.

Aber was konnte dies Alles zu solcher Stunde noch bewirken? Zu Vieles und zu Großes war verloren. Wir hören das Hochstift klagen über seinen Mangel an tauglichen Priestern. Wir sehen hinein in den ganz desolaten Zustand des Barfüßerklosters, wo keine Regenten mehr waren und keine Observanz mehr galt.


Öffentliches und privates Leben scheinen im Fieber zu liegen. Der Zwist der Gemeinden, die Versammlungen, die Kanzelpolemik, das Hinwegtun von Kirchenausstattungen, Drohung und Waffentragen, die unheimlichen wiederholten Feuersbrünste, — in Allem spüren wir die Erregung, aus der heraus die Stadt nur durch ein Gewaltereignis zur Ruhe gebracht werden kann. Dazu kommt bei der Behörde, aber jedenfalls auch bei Vielen der Einwohnerschaft das Bewußtsein der Isoliertheit. Basel erlebt jetzt in dieser gewaltigen Stunde fühlbarer als je die Eigenart seiner Stellung innerhalb der Eidgenossenschaft, aber auch die Konsequenzen seiner Politik selbst. Es steht abseits, ist allein gelassen. Sein Recht aus dem Bunde ist ihm durch die Mehrzahl der Orte nicht mehr anerkannt, die Erneuerung des Bundesschwures ihm versagt worden; beim Blick auf die andern Orte, wie unbeteiligt sieht es sich an ihrem bewegten politischen Leben, an ihren Abreden und Burgrechten! In solche Stimmungen hinein können Tage kommen wie die mit dem Schauspiele des von Italien her hier durch nach Hause ziehenden, in Elend und Krankheit vergehenden kaiserlichen Kriegsvolkes. Es kommen auch wieder, in den Wechselstuben und Trinkhäusern von Munde zu Munde weitergegeben, die Reden von drohenden Rüstungen in den österreichischen Vorlanden. „Es stat treffenlich ruch zu Basel, der gwalt ist ganz unruewig.“ Schon bereitet sich das Domkapitel darauf vor, sein Archiv nach Pruntrut zu flüchten; Der und Jener vernimmt von heimlicher Zusammenrottung und Bewaffnung der Papisten; und auch andre Nachrichten führen mitten hinein in dies Leben. So die Schilderung des aufsehenerregenden Vorfalles im Ratssaale, da ein den Evangelischen geneigter Senator über das zwiespältige Predigen schilt und zornig die Sitzung verläßt unter der Erklärung, nicht mehr mittun zu wollen, solange dies Übel nicht beseitigt sei. Ein Priester reißt den Anschlag Ökolampads für Vorlesungen über Daniel von der Kirchtür und gerät darüber in eine Schlägerei mit dem Prediger Thomas

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 501. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/522&oldid=3403454 (Version vom 1.8.2018)