Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/72

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

über die Sache vernommen, namentlich über die Haltung des Markgrafen; auch konnte er die Herren nennen, die sich um die Lösung bewerben: Ulrich von Habsberg, Simon von Pfirt und Hans von Schönau.

Außerdem griff nun aber auch noch die Johanna von Longueville ein. Jene uns schon bekannte Johanna, Erbtochter des letzten Rötler Markgrafen Philipp und Gräfin von Neuchâtel, seit 1504 Gemahlin des Grafen Ludwig von Longueville. Ihr war durch die Eidgenossen die Grafschaft Neuchâtel genommen worden, und sie belagerte seitdem die Tagsatzung mit dem Verlangen der Rückgabe. Jetzt, da es wieder um Röteln ging, machte sie sich an Basel heran. Sie wollte ihm in dieser Sache gefällig sein und ihre eignen Ansprüche auf Röteln um vierzigtausend Sonnenkronen an Basel abtreten, wenn diese Stadt ihr zur Wiedererlangung von Neuchâtel helfe. Die Verhandlungen geschahen in größtem Geheimnis; in Basel selbst war Johannas Vertreter der Abt Claudius von St. Alban; zur weitern Besprechung sollten die Gesandten des Rates nach Châteaudun oder Lyon zu Johanna kommen. Bis tief in den Herbst 1519 dauerte der Handel; die Gräfin wollte entweder selbst die Markgrafschaft erobern oder den Baslern bei der Eroberung helfen; sie sprach auch davon, Basler Bürgerin zu werden.

Dann versagen die Akten. Sie geben keine Spur davon, inwieweit Markgraf Ernst Kenntnis von Basels Plänen erhalten habe.

Im Sommer 1521 begegnet uns diese Rötler Sache nochmals, wieder in einer neuen Umgebung. Hans Gallizian, der zur Besiegelung des französischen Allianzvertrages nach Dijon ging, hatte den Auftrag vom Rate, bei König Franz auch wegen Rötelns zu reden. Es handelte sich um Erwerbung der Ansprüche der Johanna; für diese sollte Gallizian zwölftausend Gulden bieten und, wenn es sein müsse, ein letztes Gebot von zwanzigtausend Gulden tun.

Vom Gang auch dieser Verhandlungen erfahren wir nichts; sie blieben ohne Erfolg. Das ganze große Projekt kam über die Vorbereitungen nicht hinaus. Aber auch hier wieder stoßen wir zu guter Letzt auf Solothurn, die konstante Gegnerin der Territorialpolitik Basels. Als im Juni 1521 die Basler Hans Gallizian und Ulrich Falkner auf einem Ritte nach Bern in Solothurn rasteten, eröffneten ihnen die Schultheißen, daß auch ihre Stadt wegen der Herrschaft Röteln gehandelt habe. Und da doch „Niemand sei, der einander besser zu statten kommen möge, als wir zwo stett“, so sollten die Basler ihnen Auskunft geben, „damit, wenn wir handeln, auch sie handeln könnten“. Die beiden Gesandten erwiderten, zu solchen Mitteilungen keinen Befehl zu haben.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 51. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/72&oldid=3403507 (Version vom 1.8.2018)