Seite:Wilhelm Löhes Leben Band 1 (2. Auflage).pdf/48

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ich Dank schuldig bin bis ins ewige Leben. Ganz anders gieng mirs mit ändern Lehrern, namentlich mit dem Professor der Mathematik, Dr. Herrmann, dem jetzigen Ministerialrath, welcher bei dem Frankfurter Parlamente so viel Misfallen erregte. Gewiß war er ein begabter und wirksamer Mann wie einer; wer von uns allen hätte das nicht erkannt. Als eine Zeit lang Rector Roth krank war, versah er seine Stelle, vertrat in einer Classe den Claßlehrer. Wir wunderten uns, ihn in der Philologie so fest und gesattelt zu sehen. Aber in der Mathematik verstand ers, unsere Herzen gründlich zu entfremden. Er war hier zu sehr Genie, wie es scheint, um sich zu langsamer Lernenden herabzuneigen, es gab rohe Scenen. Bei mir kam der Entschluß, zur Vorbereitung auf seine Lehrstunden nichts mehr zu thun, sondern es drauf ankommen zu lassen, wie weit ich käme. Lang merkte er nichts; am Ende wurde ers inne, weissagte mir auch für Logik etc., die er zuletzt zu lehren hatte, Mißlingen, irrte sich aber darin, wie er sehen mußte, ganz oder doch mehr, als er geglaubt hätte.




 Mein anscheinender Ernst zum Guten machte es zwei Vätern in Fürth wünschenswerth, ihre Kinder mit mir in einerlei Wohnung zu haben, andere wünschten meinen Umgang als Förderungsmittel für ihre Kinder. Nun mags wohl sein, daß sie sich nicht völlig betrogen, daß ich ihren Kindern in einigem nützte. Aber wäre ich nicht in innerem Widerspruch, wäre ich einfältig und von Grund aus entschieden fürs Gute gewesen, so würde etwas anderes herausgekommen sein und mein Gewissen würde mir ein besseres Zeugnis geben. Der HErr, welcher meine Seele kennt und sieht, verzeihe mir Versäumnis und Verschuldung. Ich wohnte erst bei einem Vetter, einem wohlwollenden Manne, der mich richtig erkannte und zuweilen mit mir