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Liste.png Dr. W. Mannhardt (Hrsg.): Zeitschrift für deutsche Mythologie und Sittenkunde, Band IV


faunus, Pici filius also den sohn des weissagenden waldgottes nennt, ein beweis, daß damals die altmythische grundlage der sage noch im bewußtsein des volkes lebte, während man jetzt in Böhmen den werwolf kaum mehr vom vampyr scheidet. auch darf nicht übersehen werden, daß sowohl ‚picus‘ als ‚oriulus galbula‘ schon altslavisch vluga, russ. ivolga, poln. wilga, wyosilga, wywielga heiße. das bei der namensähnlichkeit mit wolf, altsl. vluks, russ. volk, poln. wilk gewiß nicht zu übersehen ist, besonders da die namen dieses vogels bei andern Slaven z. b. den Lausitzern, der herr, priester bei den Montenegrinern zauberer an’s mythische streifen. die menge der vogelspecies darf nicht befremden. an einem andern orte wird von den werwölfen im plural gesagt: ‚incubi, sepe improbi existunt mulieribus et earum peragunt concubitum, quos demones galli dusios nuncupant,‘ an einem dritten orte endlich sagt dasselbe wörterbuch vom plural ‚vilkodlaci, incubi, siue inuidi, ab inuiando passim cum animalibus, unde et incubi dicuntur ab incubando homines h. e. stuprando, quos Romani faunos ficarios dicunt‘ (älteste denkmäler. Safarik s. 229).

Prag im februar 1837.

J. J. HANUSH.



DIE VAMPYRE.

Die vampyre, die namentlich in der neuzeit in slav. ländern mit den werwölfen so verschmolzen, daß z. b. der Serbe nicht mehr zwischen vukodlak und vampir unterscheidet, gehören doch einem ganz andern aberglaubenkreise an, als die werwölfe. denn die werwölfe sind mythische erinnerungen an uralte kulturzustände, die vampyre aber entstanden und bestehen noch aus bloßen phantasiegebilden, sie sind psychologische erzeugnisse, bei denen eben so die einbildung theoretisch wirkt, die den todten noch im grabe lebendig wähnt, als die furcht, durch ihn belästigt zu werden. werwolfsagen erstrecken sich nur über das gebiet der indoeuropäer, aber vampyrsagen sind fast über die ganze welt verbreitet, eben so wie die furcht vor


Empfohlene Zitierweise:
Dr. W. Mannhardt (Hrsg.): Zeitschrift für deutsche Mythologie und Sittenkunde, Band IV. Dieterische Buchhandlung, Göttingen 1859, Seite 198. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeitschrift_f%C3%BCr_deutsche_Mythologie_und_Sittenkunde_-_Band_IV.djvu/202&oldid=- (Version vom 1.8.2018)