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Liste.png Dr. W. Mannhardt (Hrsg.): Zeitschrift für deutsche Mythologie und Sittenkunde, Band IV

grabschaufel ab und begraben sie wiederum, worauf die pest aufhört‘[1].

Die Wenden in der Mark achten bei begräbnissen sorgfältig darauf, dem todten ein stück geld als zehrpfennig mit in den mund zu geben, so wie den namen aus dem hemd zu schneiden. unterläßt man dies, so wird der todte ein nachzehrer oder doppelsauger. dieselben saugen mit den lippen an ihrer brust und entziehen dadurch den überlebenden verwandten die lebenskraft. noch schlimmer ist es, wenn die lippen des todten einen theil des todtenkleides berühren. dann zieht er ein glied der familie nach dem andern ins grab nach. um die wiederkehr des nachzehrers oder doppelsaugers zu verhüten muß man ihm mit einem spaten das genick abstoßen. er quiekt dabei wie ein ferkel[2]. auch in Sachsen legte man den todten oft einen stein und einen pfennig in den mund, damit sie, wenn sie im grabe anfingen zu beißen, stein und geld vorfänden und sich des fressens enthielten[3]. desgleichen geschah in Schlesien bei der pest 1553, zu Sangershausen bei gleicher gelegenheit 1565[4], in Freyburg 1552, ebenso zu Herrnsdorf, Dittersbach, Clausnitz[5] und Mersburg[6].

Im böhmischen dorf Blow eine meile von Cadau kam 1337 ein viehhirt als vampyr wieder. man schlug ihm einen pfahl durch den leib. da sagte er ‚ihr meint wunder was ihr mir für einen gewaltigen possen gerissen, indem ihr mir einen stecken gereicht habt, womit ich mich desto besser der hunde erwehren kann.‘ zuletzt haben ihn zwei henker verbrannt, wobei er allerlei possen getrieben, bald als ochs gebrüllt, bald als esel geschrien. bei einem stich in die seite blutete er[7]. – eine töpferfrau, die als hexe


  1. Hercules Saxonicus cap. XI de plica.
  2. S. Kuhn, märkische sagen s. 30, 30. 367. 382. E. Ziehen, skizzen aus der Altmark. morgenblatt 1854.
  3. Rollenhagen mirab. peregr. I. IV. cap. 20. nr. 5.
  4. S. Martin Bohem. de pest. conc. 2.
  5. Moller Freyburger chronik s. 259.
  6. L. Dr. Adam Röters pestpredigten in conc. pest.
  7. Hagers böhmische chronik ad ann. 1337 nach der klosterchronik von Opatowitz.
Empfohlene Zitierweise:
Dr. W. Mannhardt (Hrsg.): Zeitschrift für deutsche Mythologie und Sittenkunde, Band IV. Dieterische Buchhandlung, Göttingen 1859, Seite 266. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeitschrift_f%C3%BCr_deutsche_Mythologie_und_Sittenkunde_-_Band_IV.djvu/270&oldid=- (Version vom 1.8.2018)