Seite:Zerstreute Blaetter 6.pdf/132

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Wunden und kühlten ihre Stirn – kurz, sie waren mit an dem Heldenmuth Ursach, der in jenen Zeiten so viel Länder erobert hat: weil jeder der für den Einen Gott und für seinen Propheten Muhammed stritt, gerad ins Paradies zu gehen gewiß war. – Die Dichter nutzten diese Phantasie auf andere Weise, und kleideten ihre Freude und Liebe in Bilder des Paradieses. Fast kein Liebesgedicht der Morgenländer, insonderheit der Perser, giebt es, wo die Geliebte nicht bald eine Quelle des Lebens, bald eine Rose und Cypresse im heiligen Garten wird, voll ewigblühender Reize, voll unverwelklicher Schönheit. Die Moralisten endlich zogen daraus trefliche Sprüche, z. B. „das Gebet führe auf den Weg zum Paradiese: Fasten und Mäßigkeit öffne die Pforte, die Gutthätigkeit führe hinein.“ – Offenbar ists, daß das Clima der Morgenländer, ihr Hang zur Ruhe und sinnlichen Liebe, ihr Gefallen an Schatten, Quellen und schönen Gegenden, vielleicht

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Sechste Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1797, Seite 110. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_6.pdf/132&oldid=- (Version vom 1.8.2018)