Seite:Zerstreute Blaetter 6.pdf/181

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in ein anderes Gefäß gegossen werden, und dieses beseelen. Ein Strom leichter Verwandlungen ist ihre Welt; ihre erhaltende Gottheit selbst hat sich oft verwandelt. Es sei nur Täuschung, meynen sie, daß die Dinge so hart und schroff abgetrennt seyn, wie wir sie uns denken; ihre Philosophie sowohl als ihre Moral gehet darauf hinaus, diese schroffe Abtheilungen zu mildern, den Wahn des Verschiedenseyns zu verbannen, und einen Zustand sich eigen zu machen, da uns alles gleich ist, indem uns nichts afficiret. Eine Organisation dieser Art macht die Seelenwanderung zu einem angenehmen Traum. Das beseelende Oel des Lebens fließt hin und her; die Seele kömmt und gehet. Wie der Leib in seine Elemente aufgelöset wird, so gehet auch sie in ihr Element und mittelst des ewigen Stroms in andre Formen über.

24.

Man begreift leicht, was für Annehmlichkeiten dieser Traum in einem Klima mit sich führe,

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Sechste Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1797, Seite 159. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_6.pdf/181&oldid=- (Version vom 1.8.2018)