Seite:Zerstreute Blaetter 6.pdf/284

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heilig bewahrten und der Nachkommenschaft fromm vermachten. Ohne die frommen Männer und Weiber der Legende bettelten jetzt vielleicht alle Musen in Europa; oder vielmehr an Musen in Europa wäre ohne sie gar nicht zu gedenken. –


Die Geschichte der mittleren Zeit kann des Studiums der Legenden so wenig als der Chroniken entbehren: denn beide fließen überhaupt in einander. Jene gehen allen Diplomen voran und lange ihnen zur Seite. Die mythologische Sprache und Einkleidung der Legenden muß also eben so wohl studirt werden, als die Sprache und Zeichen der Diplome. Sie sind in den mittleren Zeiten das, was in der griechischen und römischen Urzeit die alten Heldensagen waren, aus denen einst alle Dichtkunst und Geschichte hervorging. Die geheime, innere Denkart der christlich gewordnen Völker, ihren Wahn, Aberglauben, Schwachheiten, kurz den dunkeln

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Sechste Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1797, Seite 262. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_6.pdf/284&oldid=- (Version vom 1.8.2018)