Sponsel Grünes Gewölbe Band 2/Tafel 10

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Tafel 9 Das Grüne Gewölbe: eine Auswahl von Meisterwerken in vier Bänden. Band 2 (1928) von Jean Louis Sponsel
Tafel 10
Tafel 11
  Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
[Ξ]
TAFEL 10
ZWEI HOHE DECKELPOKALE IN REICH VERZIERTEN
RENAISSANCEFORMEN, AUGSBURGER ARBEITEN DER
MITTE DES 16. JAHRHUNDERTS
[Ξ]
Sponsel Grünes Gewölbe Band 2 Tafel 10.jpg

[170] Zwei hohe gleichartige Deckelpokale aus vergoldetem Silber, in Renaissanceprofilen. Der Körper in mehrfacher Profilierung hat einen breit ausladenden Wulst, der reich mit getriebener Arbeit geziert ist. Drei Köpfe auf Buckeln mit Rollwerk gliedern den Wulst in drei Felder, auf denen gelagerte antike Göttinnen von Rollwerk umgeben sind. Der über dem Wulst aufsteigende zylindrische Lippenrand ist mit Mauresken geätzt. Unter dem Wulst hat eine Einkehlung gleichfalls Maureskenätzung und ein darunter ausladender Zylinder ist mit einem silbernen aufgeschobenen Reifen geschmückt, der zwischen drei aufgesetzten Löwenmasken Mauresken, mit blauem und grünem Email ausgefüllt, enthält. Ein ähnlicher silberner kleiner Reifen mit Mauresken und Email sitzt auf einem kleinen Zylinder über dem Sockel. Der zwischen beiden befindliche Schaft hat einen vasenförmigen gegossenen Knauf mit drei Sirenen zwischen Faunsmasken auf Rollwerk. Die Boden unter dem größeren Zylinder hat getriebenes Bandwerk mit Köpfen und Vögeln untermischt. Der Sockel hat eine wieder mit Mauresken geätzte Einkehlung und auf der Scheibe darüber drei Köpfe und drei Fruchtbündel zwischen Rollwerk, sowie auf dem breiteren unteren Rande getriebenes Rollwerk mit Fruchtbündeln, Köpfen und Eidechsen. Unter dem Sockel jedes der Becher befindet sich eine gegossene und ausgestochene vergoldete Medaille, auf der in hohem Relief Loth mit seinen Töchtern dargestellt ist. – Beide ganz gleichartige Pokale haben verschiedene Deckel, die vielleicht beide nicht zugehörig sind. Der größere paßt noch am ehesten dazu. Er steigt in zwei mit getriebenen Fruchtbündeln und Cherubimköpfchen gezierten Wulsten über glatten Einkehlungen auf. Auf den größeren Wulst sind drei gegossene geflügelte Kinderbüsten aufgesetzt. Auf dem Deckel sitzt ein Baluster mit drei Bügeln. Darauf steht eine Viktoria mit erhobenem Lorbeerkranz. – Der kleinere Deckel hat nur einen flachen Wulst, der mit je drei Masken und Fruchtbündeln zwischen Rollwerk getrieben ist, während der Rand mit Mauresken leicht geätzt ist. Auf dem Deckel sitzt eine kleine gegossene Vase mit drei Bügeln und darauf steht ein antiker Krieger. – Beide Pokale haben auf dem Rande des Sockels die Beschaumarke von Augsburg und die Meistermarke HS, R 222, nach R möglicherweise Hans Schaller, erwähnt 1555, gest. 1573. Vgl. die Bemerkung zu Tafel 9,1. – Von den Deckeln hat der größere keine Marken, der kleinere aber die Beschaumarke von Nürnberg und die Meistermarke KB, R 3098, Kaspar Bauch d. ä., Meister 1541, gest. 1583. (H. ohne Deckel 42, mit Deckel 66 und 55 – IV. 254 und 252.)