Sponsel Grünes Gewölbe Band 4/Tafel 14

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Tafel 13 Das Grüne Gewölbe: eine Auswahl von Meisterwerken in vier Bänden. Band 4 (1932) von Jean Louis Sponsel
Tafel 14
Tafel 15
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TAFEL 14
ELFENBEINPOKALE, IN VERGOLDETEM SILBER GEFASST
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Sponsel Grünes Gewölbe Band 4 Tafel 14.jpg

[68] a) Auf dem runden Fuß vier liegende Kinder, in der Mitte kniet ein Putto, einen Eichenkranz im Haar, der das Jagdhorn bläst. Das Hochrelief der runden Cuppa zeigt zehn Figuren, jeweils fünf Paare. Bacchus, trinkend, mit einer Frau, sechs Bacchantinnen tanzend und blasend, darunter eine mit einer Maske in der Hand, ein Winzer und eine Frau mit Fruchtkorb und Blütenzweig. – Auf dem Deckel Diana, in der Rechten den Bogen, nimmt mit der Linken einen Pfeil aus dem Köcher auf ihrem Rücken, zwei Hunde neben und hinter ihr. Bogen und Hundehalsband Silber, vergoldet und bemalt. Die Schnitzerei wohl süddeutsch, genauer: fränkisch, Ende 17. Jahrhundert. – Die Fassung Augsburger Arbeit, im Stile der Diller, um 1710 bis 1720. (Keine Marken!)

II. 24.


b) In den Fuß sind drei Hochreliefs eingelassen. Sitzende Göttinnen: Juno, reich gekleidet und geschmückt, das Zepter in der Hand, mit dem Pfau. – Minerva, mit Helm, Gorgonenschild und Speer, die Eule und der Sonnenwagen. – Venus, ein brennendes Herz in der Hand, der Schwan und zwei Tauben. Den Schaft bildet eine Gruppe, zwei halbnackte Frauen umdrängen einen Baumstamm, ein Hund trinkt. –

Die runde Cuppa zeigt ein Hochrelief: Diana und zwölf Nymphen nach der Jagd, mit Hunden, erlegtem Wild, Hirsch, Keiler, Hase, toten Hunden, in lebhaftem Gedränge. Auf dem Deckel wiederum drei Medaillons, Putten mit Wild und Hunden, und die Gestalt Apolls, den Bogen in der Hand, der über den Rücken einen Pfeil aus dem Köcher nimmt. Die Schnitzerei in der Art des Georg Petel, aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Ähnliche Arbeit in Berlin (Volbach a. a. O., K 3115, S. 80/81).

Die Fassung, mit starken, barocken Ausladungen, getriebenen Blumen in ovalen Feldern, trägt die Marke des Augsburger Goldschmieds und Emailleurs Johann Heinrich Männlich, (1660–1718).

II. 30. Rosenberg, III. Aufl. 773, S. 181.


c) Der Schaft ein Knauf mit Masken und Satirn. Auf der ovalen Cuppa ein Hochrelief: Raub der Lapithenfrauen durch die Kentauren. Fünf Kentauren, ein Krieger, ein Flußgott, ein Alter, der mit dem Kruge dreinschlägt, alle in lebhaftester Begegnung. – Auf dem Deckel ein kindlicher Kentaur, sitzend, mit einer Pfeife in der Hand. – Die Fassung, mit zartem Bandelwerk im Stile der Bérain, trägt die Marke E A = Elias Adam, † 1745, und die Augsburger Beschau.

II. 19. Der Gegenstand der Darstellung kommt in den Arbeiten des 18. Jahrhunderts selten vor. Die gedrungenen Verhältnisse der Figuren und der oft krampfig übertriebene Ausdruck der Köpfe lassen an süddeutsche Arbeiten der fränkischen und schwäbischen Schule denken.