Tod und Leben

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
Autor: unbekannt
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Tod und Leben
Untertitel:
aus: Vorlage:none
Herausgeber: Wolfgang Stammler, zuvor Wilhelm Seelmann
Auflage:
Entstehungsdatum: 15. Jahrhundert
Erscheinungsdatum: Vorlage:none
Verlag: Paul Hartung
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Hamburg
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf commons aus Wolfgang Stammler: Mittelniederdeutsches Lesebuch, Hamburg 1921 S.116-118.
Kurzbeschreibung: Zwiegespräch zwischen Tod und Leben (mittelniederdeutsche Versdichtung)
Erstdruck nach der Handschrift der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Cod. Helmstedt 1233, Bl.189b-192a (Druckabschrift) - Handschriftencensus: Wilhelm Seelmann: Mittelniederdeutsche Fastnachtspiele, Norden und Leipzig 1885, S. 45-48 Google-USA*.
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


[116]
Dat levent.

We bistu, gruwelike deger?
Du brammest recht so eyn pantheger,
Du bist vul worme unde slangen,
Weme mach na dy vorlangen ?

De dod.

5
Ik bin, de nicht en suchtet

Unde nergen vore en vrochtet.
Allent, dat ju levent gewan,
Dat kan ik dar nedder slan.

Dat levent.
Wultu my myt worden vorjagen?

10
Ik hebbe so mannigen strid geslagen.

Nu kum an mit dinem krummen gewerde,
Ik wyl dy moten myt mynem swerde.

De dod.
Vor my en kanstu nicht genesen,
De hir liggen, hebben ok lude wesen.

15
Tigen my kanstu nicht striden,

Alle mynschcn de moten my liden.

[117]
Dat levent.

Wur kummestu doch here,
Unde wat is din beghere?
Wat is dat krumme tauwe,

20
Dat du slepest in deme dauwe?


De dod.
Ik kome van eynem konningrike,
Dar hebbe ik se meyget alle gelike.
Ich bin de dod, ik kan vorderven
Alle dingk, dat id mot sterven!

Dat levent.

25
Vistu eyn meyger, so meyge din korne

Unde lat van my dinen torne!
Du en hefft hir nicht to schaffen,
Dar umme en schaltu my nicht straffen!

De dod.
Neyn, ik wyl dy noch anders spreken.

30
Ik wyl dy dyn herte tobreken.

Des love my al sunder wan,
So hebbe ik mennighem mynschen gedan.

Dat levent.
Ach, schal ik jummer moten sterven
Unde in der erden so ghar vordercven,

35
Wat frvmet my nu myn grote gud

Unde dar to myn dole moyt?

De dod.
Paweß, keyser, cardinale
Meyge ik dar nedder altomale,
Nidder, fruwen unde papen

40
Unde allent, dat ju wart geschapen.


Dat levent.
Moge wy mit unsen erdeschen dingen
Dy nicht entwiken efte entspringen?
Wy wolden vele gudes geven,
Mochte wy beholden dat leven.

De dod.

45
Jhesus Cristus, Marien sone,

Dede dar is hillich unde schone,
He wolde lyden den bitteren dod,
Noch en dedes ome neyn nod.

[118]
Dat levent.

We gaff dy de grote macht,

50
Dat du alsus kummest myt der iacht?

Wat du sust, dat wultu doden.
Help, leve god, ute dussen noden!

De dod.
Dy en baten nicht vele worth,
Wen snelle dy vuste vort!

55
Ik wil dy uppe de erden strecken

Unde eynnen vot lengher recken.

Dat levent.
Ach, spare my eynne kleyne tijd
Unde kere van my dinen nyd!
Ik bin noch nicht berede,

60
Dat ik so drade van hir schede.


De dod.
God sprack myt synem hilligen munde:
Waket unde bedet to aller stunde,
De dod sendet ju neynnen breff,
Wen he kummet slikende alse eyn deff.

Dat levent.

65
Ach god, ik bin in groten sorgen.

O dod, spare my wente to morgen,
Dat ik myn dingk moge slichten
Unde moge doch ersten bichten.

De dod.
Dar sint vele midde bedrogen,

70
Wan se lange voretogen

Unde seden alle: Cras! cras!
Wen ek alrede by one was.

Dat levent.
Ach, wu is mek nu gescheyn!
Dar mach eyn jowelk bet to seyn,

75
Dat he trachte uppe den dod,

So kummet he nicht in dusse not.

Anmerkungen (Wikisource)

Zu dem wohl erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstandenen Zwiegespräch siehe Hartmut Beckers, in: ²VL 5 (1985), Sp. 637-639.

Um 1480 druckte Bartholomäus Ghotan in Magdeburg den lateinischen Dialogus vitae cum morte ISTC id00166300; Catherine Squires (= Ekaterina Skvairs), Ein unbekannter Druck des 'Zwiegesprächs zwischen Leben und Tod' von Bartholomäus Ghotan, in: Gutenberg Jahrbuch 2005, S. 114-121 nach Exemplar in Moskau.

Korrekturabzüge eines niederdeutschen Einblattdrucks (?) des nun in Lübeck tätigen Ghotan von 1484 sind seit 1945 verschollen (GW M17411). W. Mantels druckte sie im Jahrbuch des Vereins für Niederdeutsche Sprachforschung 2 (1876), S. 131-133 Google-USA* = Internet Archive ab (nach einem ersten Anlauf ebenda 1, 1875, S. 54-56 Google-USA*) = Internet Archive. In der 1493 datierten Handschrift der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Cod. Helmstedt 1233, Bl.189b-192a Handschriftencensus wurde der zeitgenössische Einblattdruck abgeschrieben. Diese Abschrift gab Wilhelm Seelmann: Mittelniederdeutsche Fastnachtspiele, Norden und Leipzig 1885, S. 45-48 Google-USA* = Internet Archive wieder, einschließlich des von Stammler weggelassenen Druckvermerks am Ende: Bartholomeus Gothan impressit in lubeck.

Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Cod. Helmstedt 1136, Bl. 306r-308v (Ende 15. Jahrhundert, aus dem Benediktinerinnenkloster Lamspringe - Handschriftencensus) überliefert eine zweite Fassung mit zusätzlichen Strophen 12/13 und Prosaepilog (als Ganzes ungedruckt).