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Ueber die Induction in rotirenden Kugeln/§5

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Ueber die Induction in rotirenden Kugeln
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§ 5.
Kräfte, welche die inducirten Strömungen ausüben.

Es sollen jetzt die von den inducirten Strömungen ausgeübten Kräfte und die von denselben erzeugte Wärme berechnet werden. Der letzteren ist die Arbeit gleich, welche geleistet werden muss, um die Rotation zu erhalten.

[1] A. Das Potential der inducirten Strömungen.

1. Wir berechnen dasselbe zunächst für den äusseren Raum. Der Theil, welcher von der zwischen ϱ=a und ϱ=a+da liegenden Kugelschicht herrührt, ist


[2] d𝛺𝑎=4πn2n+1(aϱ)n+1ψni(a)da,


wenn wir das Glied ψni der gesammten Strömungsfunktion ψ betrachten.

Nun ist


ψ(a) da=−Aωϰa(aR)nin+1(f1asin⁡iω+f2acos⁡iω)Pnida.


Setzt man diesen Werth in dΩ ein, und versucht die Integration nach den a auszuführen, so trifft man auf die Integrale


∫rRa2n+2f(a)da.


| Man hat aber


∫rRa2n+2f1ada


=(2n+1)R2n+14πF1(R),


nach der Definition für F (Seite 38);


=(2n+1)ϰ4πiωf2(R)


nach den Gleichungen, welchen f1 f2 F1 F2 genügen (Seife 39);

und ebenso


∫rRa2n+2f2ada


=(2n+1)R2n+14π F2R=−(2n+1)ϰ4πiω(1−f1(R)).


Mit Benutzung dieser Ausdrücke findet man:


Ωa=nn+1A(Rϱ)n+1(f2Rsin⁡iω+(1−f1R)cos⁡iω)Pni.


Für sehr kleine Drehungsgeschwindigkeiten ist f2=0, f1=1, also Ω=0;

für sehr grosse ist f1=f2=0, also an der Oberfläche der Hohlkugel


Ω¯=nn+1χ¯n.


2. In ganz derselben Weise lassen sich die Rechnungen [3] für den innern Raum der Hohlkugel ausführen, man findet:


Ωi=−(ϱR)nA{f2rsin⁡iω+(1−f1r)cos⁡iω}Pni


also für das Gesammtpotential:


Ωi+χn=A(ϱR)n{f1rcos⁡iω−f2rsin⁡iω}Pni.
| Für verschwindende Drehungsgeschwindigkeiten wird dieser Ausdruck =χ, für grosse =0, genauer findet sich für grosse μ aus einer Formel, welche wir schon früher angewandt haben (Seite 50)


f1r+f2r−1=2(2n+1)λμ(Rr)n+11eλ(S−s)−e−λ(S−s)


=2(2n+1)(Rr)n+11λμe−λμ(R−r).


Daraus folgt dann


𝛺𝑖+χn


=A2(2n+1)μr(ϱr)ne−μ2(R−r)cos⁡(iω−π4−μ2(R−r))Pni.


Es nimmt also das Potential im Innern bei wachsender Geschwindigkeit ausserordentlich schnell ab, gleichzeitig aber haben seine Niveauflächen die Eigenthümlichkeit, um einen der Rotationsgeschwindigkeit proportionalen Winkel gedreht zu erscheinen, [4] die durch das Potential bedingten Kräfte nehmen also bei allmählig wachsender Geschwindigkeit nach und nach alle Richtungen der Windrose an, und zwar bei beliebig wachsender Geschwindigkeit beliebig oft.

[5] B. Erzeugte Wärme.

Es sei R der Radius einer sehr dünnen Kugelschaale, es herrsche in derselben die Strömungsfunktion


ψ=𝛴ψn.


Der Widerstand der Schaale sei k, es wird die in ihr erzeugte Wärme W gesucht.

[6] Wir bestimmen die u, v, w, welche zu ψ gehören, speciell diejenigen, welche zu dem Gliede


ψni=Asin⁡iω Pni


gehören. Sind u v w gefunden, so folgt die erzeugte Wärme


W=k∫(u2+v2+w2) ds,


das Integral über die ganze Kugelfläche ausgedehnt.| Führen wir die Bezeichnungen 𝛺 und 𝛩 ein für die Strömungen längs der Breiten- und Meridiankreise in Richtung der wachsenden θ und ω, so haben wir:


𝛺=−1R∂ψ∂θ𝛩=−1R sin⁡θdψ∂ω


u=𝛩 cos⁡θ cos⁡ω+Ω sin⁡ωv=𝛩 cos⁡θ sin⁡ω−Ω cos⁡ωw=−𝛩 sin⁡θ.


Setzt man hierin den angeführten Werth von ψni ein, so erhält man:


u=AR{−cos⁡iω cos⁡ω(iPni cotg θ)+sin⁡iω sin⁡ωP'ni}v=AR{−cos⁡iω sin⁡ω(iPni cotg θ)−sin⁡iω cos⁡ωP'ni}w=ARi cos⁡iω Pni.


Nun ist aber:


iPni cotg θ=12(Pn,i+1+(n+i)(n−i+1)Pn,i−1P'ni=12(−Pn,i+1+(n+i)(n−i+1)Pn,i−1).


Durch Einsetzung dieser Werthe in u v w folgt:


u=−A2R{cos⁡(i+1)ω Pn,i+1+(n+1)(n−i+1) cos⁡(i−1)ω Pn,i+1}v=−A2R{sin⁡(i+1)ω Pn,i+1−(n+1)(n−i+1) sin⁡(i−1)ω Pn,i+1}w=ARicos⁡iω Pni.


Hierdurch sind die u v w nach Kugelflächenfunktionen entwickelt. In gleicher Form denken wir uns die u v w für alle Glieder bestimmt, und den Ausdruck


∫(u2+v2+w2) ds
| gebildet. Bei der Integration geben diejenigen Glieder, welche Producte aus Kugelfunktionen verschiedener Ordnung sind, das Resultat 0, wir können also für jedes ψn das entsprechende Wn besonders bestimmen und die Resultate addiren. Eine nähere Betrachtung zeigt dann, dass wir auch für jedes ψni die Wärme besonders berechnen und die Resultate addiren können. Es werden allerdings nicht alle Integrale, welche Combinationen aus verschiedenen ψi entsprechen, gleich Null werden; aber die Integrale in ∫u2ds, für welche dies eintritt, werden sich gegen ihnen gleiche in ∫v2ds aufheben.

Für das oben angegebene ψni erhalten wir nun:


Wni=k∫(u2+v2+w2)ds


=kA22R2{∫(cos⁡(i+1)ω Pni)2ds


+(n+i)2(n−i+1)2∫(cos⁡(i−1)ω Pn,i−1)2ds+2i2∫(cos⁡iω Pni)2 ds},


was nach bekannten Formeln und einfachen Reductionen ergiebt:


Wni=kA2⋅2πn(n+1)2n+1(n−i+1)(n−i+2)…(n+i)=kA2(n,i),


wo jetzt (n,i) eine leicht verständliche Abkürzung ist. Da wir weiter haben:


W=∑n∑iWni


so ist unsere Aufgabe gelöst. Man erkennt leicht, dass dem Resultat die Formen gegeben werden können:


W=kR2∑nn(n+1)∑i∫ψni2ds


oder


W=kR2∑nn(n+1)∫ψn2ds.
| Der vorliegende Satz hätte, vielleicht einfacher, mittelst einer aus dem Green’schen Satze abgeleiteten Betrachtung bewiesen werden können; in dem hier gegebenen Beweise sind implicite die Formeln enthalten:


∫{(∂ψn∂ωx)2+(∂ψn∂ωy)2+(∂ψn∂ωz)2}ds=n(n+1)∫ψn2ds [7]


∂∂ωx(sin⁡iω Pni)


=−12 cos⁡(i+1)ω Pn,i+1−12(n+i)(n−i+1) cos⁡(i−1)ω Pn,i−1


∂∂ωy(sin⁡iω) Pni)


=−12 sin⁡(i+1)ω Pn,i+1+12(n+i)(n−i+1) sin⁡(i−1)ω Pn,i−1


∂∂ωz(sin⁡iωPni)=i cos⁡iω Pni,


an welche sich leicht ähnliche anschliessen lassen. Beziehen sich ω, θ und ω′, θ′ auf Polarcoordinatensysteme mit verschiedenen Achsen, so erlauben die zuletzt angeführten Gleichungen, Integrale von der Form


∫cos⁡iω Pni(θ) cos⁡jω′ Pnj(θ′)ds′,


(in welchen die ω′, θ′ als die Integrationsvariabelen betrachtet sind) aus dem bekannten


∫Pno(θ) cos⁡jω′ Pnj(θ′)ds′=4π2n+1 cos⁡ijω Pnj(θ)


abzuleiten, allerdings im Allgemeinen nur mittelst weitläufiger Rechnungen.

Ich bestimme jetzt die in der rotirenden Kugel durch das Glied χni der inducirenden Potentialfunktion erzeugte Wärme. [8] Zu χni gehört


ψni=−ωϰAϱ(ϱR)nin+1(f1 sin⁡iω+f2 cos⁡iω) Pni,


also die Wärme


Wni=ω2ϰA2i2(n,i)(n+1)2∫rR(ϱR)2n(f12+f22)ϱ2dϱ.
| Das Integral kann ausgeführt werden für kleine und für grosse Drehungsgeschwindigkeiten. Für erstere ist f1=1, f2=0, [9] und es wird daher die erzeugte Wärme in diesem Fall:


Wni=A2R3ω2ϰi2(n,i)(n+1)2(2n+3)(1−(rR)2n+3).


Für sehr grosse Drehungsgeschwindigkeiten hingegen war


f12+f22=(2n+1)2μ2R2nϱ2ne−μ2(R−ϱ).


Es wird daher das in Wni vorkommende Integral, welches [10] von r=0 an genommen werden kann, gleich


∫oR(2n+1)2μ2e−μ2(R−ϱ) dϱ=(2n+1)2μ32,


da Rμ als sehr gross betrachtet wird. Wir erhalten sonach für sehr grosse ω:


Wni=A2(2n+1)2(n,i)8(n+1)2ϰωi2π3


W ist von R noch insofern abhängig, als dasselbe in A enthalten ist.

Die entwickelte Wärme wächst also ins Unendliche mit wachsendem ω[11], und zwar wie ω. Das gleiche gilt von der zur Erhaltung der Rotation erforderten Arbeit. Bilden die inducirenden Magnete ein fest verbundenes System, so wird demselben ein Drehungsmoment um die Rotationsachse ertheilt, welches sich aus der erzeugten Wärme berechnen lässt. Denkt man sich nämlich die Kugel ruhend, die äussern Magnete rotirend mit der Winkelgeschwindigkeit ω, so leistet das Drehungsmoment D, welches die Bewegung erhält, in der Zeiteinheit|[63]die Arbeit 2πωD, diese Arbeit ist gleich der erzeugten Wärme, also


D=W2πω.


Es ist aber dies Drehungsmoment gleich demjenigen, welches umgekehrt die rotirende Kugel den ruhenden Magneten ertheilt. [12] Man erkennt leicht, dass für kleine ω, D proportional mit ωϰ wächst, für grosse ω nimmt es ab mit wachsendem ω, und zwar ist es proportional mit ϰω schliesslich wird es unendlich klein. (Das hindert nicht, dass es eine Arbeit von der Ordnung ω leistet). Andererseits sahen wir schon, dass bei unendlichen ω die auf die inducirenden Magnete ausgeübten Kräfte endlich sind, da dieselben nun ein Drehungsmoment um die Rotationsaxe nicht hervorrufen, so müssen ihre Resultanten in einer durch die Axe gelegten Ebene wirken.

In der That verhält sich bei unendlichen ω die Kugel zu den äussern Magneten ähnlich, wie eine leitende Kugel zu elektrischen Massen, eine leitende Kugel kann aber inducirenden Massen keine Rotation um eine durch ihren Mittelpunkt gehende Achse ertheilen.



  1. ↑ Das Potential der inducierten Ströme. WS: Die Randnotiz wurde als Fußnote übertragen.
  2. ↑ Werth desselben im äussern Raum. WS: Die Randnotiz wurde als Fußnote übertragen.
  3. ↑ Werth im Hohlraum. WS: Die Randnotiz wurde als Fußnote übertragen.
  4. ↑ Eigenthümliches Verhalten der magnetischen Kräfte im Hohlraum. WS: Die Randnotiz wurde als Fußnote übertragen.
  5. ↑ Erzeugte Wärme. WS: Die Randnotiz wurde als Fußnote übertragen.
  6. ↑ Wärmeerzeugung in einer Kugelschaale. WS: Die Randnotiz wurde als Fußnote übertragen.
  7. ↑ Analytische Formeln. WS: Die Randnotiz wurde als Fußnote übertragen.
  8. ↑ Wärmeerzeugung in der rotirenden Kugel. WS: Die Randnotiz wurde als Fußnote übertragen.
  9. ↑ Bei kleinen Geschwindigkeiten. WS: Die Randnotiz wurde als Fußnote übertragen.
  10. ↑ Bei grossen Geschwindigkeiten. WS: Die Randnotiz wurde als Fußnote übertragen.
  11. ↑ Wegen des scheinbaren Widerspruchs mit dem für ∞ dünne Kugelschaalen erhaltenen Resultats gilt die Bemerkung auf Seite 52 unten.
  12. ↑ Drehungsmoment, welches auf die inducirenden Magnete ausgeübt wird. WS: Die Randnotiz wurde als Fußnote übertragen.