Vernünftige und Christliche Gedancken über die Vampirs/§.3

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Textdaten
Autor: Johann Christoph Harenberg
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Titel: Vernünftige und Christliche Gedancken über die Vampirs ...
Untertitel: §.3 - Gleiche Begebenheiten aus Crain, Pohlen und Deutschland.
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Erscheinungsdatum: 1733
Verlag: Johann Christoph Meißner
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Erscheinungsort: Wolfenbüttel
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§.III

[36] ERASMUS FRANCISCI in den Zusätzen und Anmerckungen über VALVASORIS descriptionem des Ertz-Hertzogthums Crain Tom. III. Lib. XI. fol. 317. sq.

„In dem Marckt Kring in Crain hat sich 1672. dieser abentheurliche Fall begeben, nemlich, daß man einen begrabenen todten Cörper eines Mannes, welcher Georg oder (Guire) Grando geheissen, ausgegraben, und mit besondern Ceremonien denselben den Kopf abgehauen, auf daß man möchte Ruhe für ihm haben.

Nachdem besagter Mann vor 16. Jahren verschieden, und mit gewöhnlichen Leich-Gebräuchen christ-üblich eingeerdiget worden; hat man ihn nach seiner Begräbniß bey der Nacht gesehn umhergehen in diesem Marckt Kring. Und ist er zwar anfänglich dem Pater Georgio einem München St. Pauli des ersten Eremitens erschienen, welcher ihn begraben und die Messe verrichtet hatte. Denn als jetzt-benannter Pater mit des Begrabenen Freunden zu der Wittwen ins Haus gangen, und nach alda eingenommener Mahlzeit, vom Essen aufstehend, wieder heim gehen wollte; sahe er den Verstorbenen hinter der Thür sitzen, und gieng gantz erschrocken davon. Hernach ist dieser Begrabene oft ihrer vielen erschienen bey nächtlicher Weile, da er auf der Gassen hin und wieder gangen, und bald hie und da an die Haus-Thüren geschlagen, und seynd unterschiedliche Leute daüber gestorben; zumahl aus [37] solchen Häusern, da er hat angeklopffet. Denn vor welchem Hause er angeschlagen, daraus ist bald darauf einer mit Tode abgegangen. Er hat auch bey seiner hinterlassenen Wittwen sich eingefunden, und dieselbe würcklich beschlaffen, welche aber, weil sie einen Abscheu vor ihm getragen, endlich zu dem Supan (oder Marckt-Schultzen) Mibo Radetich hingeloffen, auch bey ihm verblieben und gebeten, er wollte ihr doch wider ihren verstorbenen Mann Hülffe verschaffen.

Der Supan bittet deßwegen etliche behertzte Nachbarn zu sich, gibt ihnen zu sauffen und spricht ihnen zu, sie sollen ihm Beystand leisten, daß solchem Ubel möge abgeholffen werden; weil dieser Georg oder (Guire) Grando, allbereit viele Ihrer Nachbarn gefressen hätte, dazu die Wittwe alle Nächte überwältigte und beschlieffe. Worauf sie sich entschlossen, den unruhigen Nachtgänger anzugreiffen, und ihm das Handwerck zu legen. Diesemnach haben sich ihrer 9. aufgemacht, mit zweyen Wind-Lichtern und einem Crucifix, und das Grab geöffnet; Da sie denn deß entdeckten todten Cörpers Angesicht schön roth gefunden, welcher sie auch angelacht, und das Maul aufgethan. Worüber diese streitbahre Gespenst-Bezwinger dermassen erschrocken, daß sie alle mit einander davon geloffen. Solches kränckte den Supan, daß ihrer neune Lebendige mit einem einzigen Todten nicht sollten zu rechte kommen können, sondern für einen blossen Anblick desselben, zu flüchtigen Hasen würden: Derhalben sprach er ihnen zu [38] und frischte sie an, daß sie mit ihm wieder umkehrten zum Grabe, und ihm einen geschärfften Pfahl von Hagedorn durch den Bauch zu schlagen sich bemüheten: welcher Pfahl allemahl wieder zurück geprellt. Indessen hat der Supan gleichsam einen Geistlichen gepræsentiret, das Crucifix dem Todten vors Gesicht gehalten, und ihn also angeredet: Schau du, Strigon! (also werden solche unruhige Todten in Histerreich genannt) hier ist JEsus CHristus! der uns von der Höllen erlöset hat, und für uns gestorben ist! und du Strigon kannst keine Ruhe haben etc. und was dergleichen Worte mehr gewesen, so dieser unzeitiger Exorcist oder Todten-Redner daher gemacht. Indessen seynd dem Gespenst die Zähren aus den Augen hervor gedrungen. Weil aber der Pfahl nicht durch den Leib getrieben werden können; so hat einer zu Mehrenfelß wohnhaffter, Nahmens Micolo Nyena, von weiten angefangen mit einer Hacken den Kopff abzuhacken, aber weil er alzu furchtsam und verzagt damit umgangen, ist ein anderer , der mehr Hertzens gehabt, nehmlich der Stipan Milasich hinzu gesprungen, und hat den Kopf weggehauet. Worauf der Todte ein Geschrey gethan, und sich gewunden, nicht anderst als ob er lebendig wäre, auch das Grab voll gebluhtet. Nach solcher Verrichtung haben die erbare Herren Executores das Grab wieder zugemacht und sich heim verfügt. Von welcher Zeit an das Weib und andere Leute Ruhe für ihm gehabt.

Es ist dieses in Isterreich und daherum [39] gar gemein, daß sie also die Todten, wenn sie nicht ruhen wollen, sondern bey Nacht herumschweiffen und die Leute angreiffen, ausgraben und ihnen einen Pfahl von Dornholtz oder Hagedorn durch den Leib schlagen. Massen dann noch vor wenig Jahren auch in einem unweit von hier liegendem Venetianischen Dorff, wie mir eine gewisse fürnehme Hand zugeschrieben, dergleichen geschehen, daß man dem Todten also einen Pfahl durch den Leib gestossen. Aber wenn die Obrigkeit solches erfähret, werden sie darüber hart gestrafft, und zwar billig: Denn es ist des Teufels Werck, der die Leute also äffet und blendet, und dadurch zu abergläubischen Mitteln bewegt. Hieher dienet die Rede FRANCISCI TORREBLANCÆ Tom. 2. de Magia lib.2.C.26.fol.234. Apparationes & Resurrectiones mortuorum, quas vobis dæmones & magi obtrudunt, non sunt animae, sed spectra et phantasmata, &c. Wiewohl dieses nicht durchgehends auf allerley Erscheinungen zu deuten.“

ACTA ERUDITORUM LATINA a. 1772. Mens. Jan. p. 17. ex P. Gabr. Azaczynsky Historia Natur. curiosa regni Poloniæ Sandomir. 1721. 4. Sectione 2. de cruentatione cadaverum agens mira profert Auctor de mortuis in tumulis adhuc voracibus & vicinos viventes spectrorum modo trucidantibus, a Polonis speciali nomine Vpiers & Vpierzyca appellatis, de quibus quae producit authentica documenta, ulteriorem fortasse disquisitionem merentur. D. Andreas Elias Buchner führt a. 1725. ein Exempel an, daß zwey todte Leichnams des Nachts wiederkommen seynd, und Leu[40] te erwürget haben, deswegen aber verbrannt worden. NOVA ACTA ERUDITORUM a. 1732. p. 330.