Viel Uebel um Aepfel

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Textdaten
<<< >>>
Autor: Kasimir Walchner
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Viel Uebel um Aepfel
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 83–84
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Karlsruhe
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons und Google
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[83]
Viel Uebel um Aepfel.

Während der traurigen Zeit des Schwedenkrieges kam u. A. auch der Feldmarschall Gustav Horn auf seinem Marsche nach Ravensburg im Januar 1634 in die Stadt Pfullendorf und verweilte über drei Stunden in derselben. Unglücklicher Weise versäumten die Stadtvorsteher, dem gestrengen Herrn Marschall ihre Aufwartung zu machen; was ihn aber noch mehr verstimmte, war, daß seinem Wunsche, Aepfel zu haben, entweder geflissentlich oder aus Unachtsamkeit nicht entsprochen wurde. Mit den schlimmsten Gesinnungen verließ er diesen unhöflichen Ort.

Die Folgen davon blieben nicht lange aus; denn schon am 18. Hornung ließ der Oberst Plato allen Fruchtvorrath im Pfullendorfer Spital wegnehmen und nach Ulm abführen. Auf die gemachten Gegenvorstellungen gab er zur Antwort: „Man habe dem Feldmarschall bei seinem Hierseyn einige Aepfel versagt, [84] und doch sey nun hier im Spital ein ganzes Gewölbe voll davon gefunden worden.“ – Hierauf forderte der Oberst alle Schlüssel zum Spital ab, schaltete über Alles nach seinem Willen und Belieben und nahm endlich alle Lebensmittel, so wie 24 Melkkühe weg. So blieb es bis zum 19. März, wo die Schweden abzogen und nur noch 4 Kühe stehen ließen. Die anderen wurden geschlachtet und das Fleisch mitgenommen. Dem Obersten Plato jedoch mußte noch zum Danke für sein schonendes Verfahren ein Geschenk von 50 Thalern beim Abzuge gegeben werden. Diesen Gästen folgten überdies bald darauf noch viel beschwerlichere, und die gute Stadt hatte so viele Mäuler von Schweden zu füttern, daß man gestehen muß, die Pfullendorfer haben noch niemals in so saure Aepfel beißen müßen, als damals, nachdem sie die süßen dem Herrn Feldmarschall verweigert.

(Vergl. K. Walchners „Geschichte der Stadt Pfullendorf.“ Constanz 1825. S. 87 ff.)