Von Claus Schwarte, dem klugen Hauptmann

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Textdaten
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Autor: Otto Beneke
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Titel: Von Claus Schwarte, dem klugen Hauptmann
Untertitel:
aus: Hamburgische Geschichten und Sagen, S. 163–165
Herausgeber:
Auflage: 2. unveränderte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Perthes-Besser & Mauke
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Erscheinungsort: Hamburg
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Quelle: Google, Commons
Kurzbeschreibung:
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[163]
66. Von Claus Schwarte, dem klugen Hauptmann.
(1504.)

Als man schrieb 1504, da diente den Hamburgern als Schiffs-Hauptmann ein Ditmarscher, Claus Schwarte geheißen, den sie zu Sommerszeit zur Seefahrt gebraucht hatten. Dazumal war eben ein gräulich Morden und Rauben vollführet worden von etlichen rittermäßigen Personen und ihren Gesellen aus dem Wunneken-Brooke, welcher im Lauenburgischen oder bei Trittau zu suchen, allwo sie ihre besten Häuser gehabt. Da nun den Rathsherren von Hamburg verkundschaftet war, woselbst sie an einem bestimmten Tag zusammen kommen würden, um die geraubte Rente unter sich zu theilen, [164] so beschickten sie Claus Schwarte, welcher zu dieser Winterszeit in der Stadt müssig und meistens im Stadt-Weinkeller lag, und befragten ihn, ob er sich zu einem Zuge wider die Buschklepper wolle gebrauchen lassen, wenn sie ihm genugsam Volk zur Hülfe geben würden. Als Claus Schwarte dies vernommen, dankete er dem Rathe freundlich, erbot sich alles dessen, doch sollten sie ihn nur allein rathen und thaten lassen. Holt deshalben heimlich seine Bootsteute und Soldaten zusammen, so alle auf der Bärenhaut lagen, und giebt ihnen insgeheim seinen Befehl, so daß keiner Menschenseele davon das Geringste bewußt wurde. Zur bestimmten Stunde bei Nachtzeit aber finden sich seine Leute, die auf verschiedenen Wegen und verkleidet herzu gekommen waren, vor dem bestimmten Orte im Wunneken-Brook ein, und als Claus Schwarte sie alle zu Haus hat, belegt und stürmt er das feste Haus, darin die Räuber beim Beutetheilen, Bechern und Würfeln wohlgemuth sitzen, also daß er nach kurzem Gefechte die ganze Bande gefangen nimmt. Dieweil er sie nun auf handhafter That öffentlich beschlagen, achtete er sich zu prompter Justizübung wohlbefugt; und dieweil, als gemeldet, allerlei Edelleute darunter waren, so setzte er ihnen so lange hart zu, bis sie ihre Namen bekennen mußten; die ließ er sodann auf Zettel schreiben, und einem Jeden seinen Namen um den Kopf binden; darnach aber, als sie bei zweien unterwegs aufgegriffenen München gebeichtet, ließ er ihnen allen durch den Büttel, den er heimlich mitgebracht, die Köpfe abschlagen und mit den Zetteln daran in einen Sack stecken, die Leiber aber allda einscharren; die vorgefundene gute Beute ließ er aufbinden und zum Beschluß das Haus an allen vier Ecken in Brand stecken. Dies alles passirte in einer einzigen langen Winternacht, und noch in derselbigen Nacht kam Claus Schwarte mit den Seinen heimlich zurück nach Hamburg, als wenn er nirgends gewesen [165] wäre, und schickte seine Leute wieder auf die Bärenhaut und saß selber mit einigen guten Gesellen im Weinkeller und „juchte und tuchte“ wie zuvor. Als nun E. E. Rath, welcher unterweilen in großer Verwachtung gestanden, wie der Tanz abgelaufen, von solchem Gelage hörte, vermeinte er nicht anders, als daß Claus noch gar nichts unternommen habe; ließ ihn also durch den Rathsboten beschicken und befragte ihn ernstlich: ob das Wort halten heiße? Ja, lieben Herren, antwortete Claus Schwarte, die Sache ist klar und abgemacht, laßt nur Euern Nachrichter holen. Als nun der Büttel kam mit seinem Sacke, da wurden die Köpfe vor den Herren ausgeschüttet, die Zettel besehen und die Personen benennet, worauf Claus gesagt: de schölen’t nich mehr doon! Etliche meinen, Claus habe selbst den Sack bei sich behalten und vor dem Rathe ausgeschüttet, was aber auf eins heraus kommt.

Und E. E. Rath hat seinen Hauptmann Claus Schwarte hoch belobet und hat geachtet, es sei ein gar behender Anschlag gewesen und sehr weislich ausgesonnen, daß er alles so geheim gehalten, damit nichts vorher verlautbare und den Feinden verkundschaftet werde. Item sei es gar sehr weislich gewesen, daß er ganz in der Stille und Geschwindigkeit also unsänftiglich mit den hohen Personen umgegangen wäre, indem er dadurch ihren Verwandten und ihnen selbst die öffentliche Schande ersparet hätte, lebendig gen Hamburg geführt zu werden, um hier vor aller Welt ihr Recht am Galgen ausstehen zu müssen. Und indem Claus Schwarte sich ihrer in dieser geschwinden Maaßen entlediget, habe er auch den Rath und die gute Stadt vor Verlegenheit und Anfeindung bewahret und ihm wie ihr einen trefflichen Dienst erzeiget.

Anmerkungen

[381] Nach. Joh. Adolfi Neocori Ditmars. Chronik I. 535, woselbst diese Geschichte Plattdeutsch mit dem Zusatz „ut der Hamborger [382] Stadtbook“ erzählt ist. Ich habe sie sonst nirgends gefunden, Schwarte erinnert sehr an den Lübeck’schen Hauptmann Jäger, 1291, von dem Lüb. Chronisten eine ganz ähnliche That berichten; s. Deecke, Lüb. Gesch. u. Sagen.