Waldbrände

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Titel: Waldbrände
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aus: Die Gartenlaube, Heft 37, S. 625, 628
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1895
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Warnung vor Waldbränden und dessen Folgen
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[625]
Datei:Die Gartenlaube (1895) b 625.jpg

Waldbrand im fernen Westen.
Zeichnung von Hans Bohrdt.

[628] Waldbrände. (Zu dem Bilde S. 625.) Dürre und heiße Sommertage sind über das Land gekommen. Wir schreiten durch den duftenden Nadelwald, trocken ist die Waldstreu und das dürre Gestrüpp bricht knisternd unter unsern Tritten zusammen. Zu solchen Zeiten bildet der kühle Wald eine gewaltige Ansammmlung des feuergefährlichsten Materials. Nur ein geringer Anlaß, ein kleiner Funken ist nötig, um eine der furchtbarsten Naturerscheinungen, den Waldbrand, hervorzurufen. Da saust das Dampfroß durch den Forst, ein Funken entsprüht der Lokomotive und das glühende Kohlenstückchen wird weit in den Wald hineingeschleudert. Wie Zunder glimmt die ausgedörrte Waldstreu, ein Rauchwölkchen entquillt dem Boden und bald züngeln Flämmchen an dem Gestrüpp empor. Vom Winde getrieben, breitet sich der Brand in sprungweisem Vorwärtsdrängen am Boden aus, seine glühenden Arme immer weiter nach rechts und links ausstreckend. Die Bäume bleiben noch verschont, vorderhand hält sich das Lauffeuer im Waldesgrunde, die dürre Bodendecke verzehrend. Lawinenartig wächst es jedoch von Minute zu Minute; mit zunehmender Geschwindigkeit schreitet es vorwärts, es läuft und rennt endlich im wahren Sinne des Wortes und immer länger wird die feurige Linie, die in den herrlichen Wald hineinstürmt. Höher werden zugleich die Flammen. Nun ergreifen sie die dürren Aeste der niedrigen und zuletzt der höheren Bäume, dunkelrot züngeln die Flammen an den Nadelhölzern empor und wüten zuletzt in den Baumkronen; zu dem Lauffeuer hat sich das Wipfelfeuer gesellt. Die Flammenglut facht der Wind an; Feuergarben fliegen empor und hoch über den Baumkronen schwingt sich das Flugfeuer, entfernte Waldbestände in Brand setzend.

Die Schnelligkeit, mit welcher jetzt die Feuersäulen fortschreiten, wird geradezu unheimlich; nicht nur der Wald ist bedroht; auch Mühlen, Gehöfte, Dörfer und selbst kleinere Städte, die inmitten der Wälder liegen, schweben in höchster Gefahr. Vergebens sucht der Mensch durch Ziehen von Gräben, durch Fällen von Bäumen Lücken im Walde zu schaffen, vergebens will er die Flammen durch Flammen bekämpfen und durch Gegenfeuer, die er vor dem fortschreitenden Brande anzündet, seinem Fortschreiten eine Schranke setzen. Unaufhaltsam tobt die furchtbare Gewalt vorwärts, alles mit Dampf und Qualm erfüllend und einen heulenden Sturmwind erzeugend.

In Ländern mit fortgeschrittener Forstkultur sind derartige ungeheure Waldbrände gottlob seltener; hier pflegt der Forstmann durch Anlage von Schneisen, durch Unterbrechen großer Nadelwaldungen durch Laubholzbestände im voraus einem etwaigen Waldbrande Grenzen zu ziehen und das Rettungswerk zu erleichtern. Anders aber liegen die Verhältnisse in Waldländern, die erst der Kultur erschlossen werden, wo inmitten unermeßlicher Urwälder Weiler und Dörfer aus leicht gezimmerten Häusern bestehen. In ihnen können Waldbrände die schwerste Prüfung über den Menschen verhängen. Er muß ihnen weichen, muß Haus und Hof, Hab’ und Gut der Flammenglut preisgeben und noch dem Himmel danken, wenn er das nackte Leben zu retten vermag. Dann ist der Wald der Schauplatz herzzerreißender Scenen, wie eine solche aus den Hinterwäldern Nordamerikas so meisterhaft von Hans Bohrdt wiedergegeben wurde. Der Anblick dieses Bildes erinnerte uns an die ergreifende Schilderung des Waldbrandes in Wisconsin, die im Jahrgang 1871 (Seite 783) der „Gartenlaube“ von einem Augenzeugen gegeben wurde. Innerhalb einer Woche stand dort eine Waldstrecke von tausendfünfhundert englischen Quadratmeilen in Flammen und ihre unerbittliche Glut verzehrte nicht nur Dörfer und Städte, sondern raffte auch über tausend Menschenleben dahin. Wenn auch bei uns in Deutschland solche Schreckensscenen seit Menschengedenken nicht vorgekommen sind, so ist doch der Schaden, der durch Waldbrände alljährlich verursacht wird, ein sehr bedeutender. Das wirkungsvolle Bild H. Bohrdts wird durch die „Gartenlaube“ Millionen Lesern vor Augen kommen. Möchte doch sein Anblick den vielen Tausenden, die so gern in des Waldes kühlen Schatten bei schwüler Sommerhitze sich retten, als Mahnung dienen, daß man im Walde mit dem Feuer vorsichtig umgehen und auf den Genuß des Rauchens in der würzigen Luft überhaupt verzichten sollte! Wie viele herrliche Tannen sind durch achtlos fortgeworfene Cigarrenstummel in traurige verkohlte Baumstümpfe verwandelt worden! Wir verlangen, daß die grünen Hallen des Waldes dem Volke zur herrlichsten Erholung geöffnet bleiben; da hat aber auch der Gast im Walde die Pflicht, den Forst zu schonen! *