Wat sek de Schwaalkes vertellen

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Textdaten
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Autor: Fooke Hoissen Müller
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Titel: Wat sek de Schwaalkes vertellen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 3, S. 33
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1859
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Wat sek de Schwaalkes vertellen. [1]

      Schwaalkes, leev’ Schwaalkes,
      Seggt, wat vertell Ji Jo? –
Van’t Jungtje, ’t was der de best int Loog,
Van’n Meisje, so nüver un blau van Oog.

5
He gung alleen, se satt alleen

Un jung hör sööt Döetjes hier up de Steen,
      In Dunkeln under de Boom.

      Schwaalkes, leev’ Schwaalkes,
      Seggt, wat vertell Ji Jo? –

10
As dat Jungtje nu quamm un der lüsternd stund,

Do kloppt hör’t Hartje, do schweeg hör Mund.
He kunn’t nich draagen, he muß hör sehn,
Nu satten se selig und still to Tween
      In Dunkeln under de Boom.

15
      Schwaalkes, leev’ Schwaalkes,

      Seggt, wat vertell Ji Jo? –
Van’n Vader, de der sien Kind utschull;
Van’n Dochter, de hüm to Footen sull, –
Van’n Meisje, dat der vergung vör Leed,

20
Alleen hör bittere Thranen kreet

      In Dunkeln under de Boom.

      Schwaalkes, leev’ Schwaalkes,
      Seggt, wat vertell Ji Jo? –
Wi togen vandaan över’t wiede, wiede Meer.

25
Do quamm der ee Schippje van’t Noorden her:

„Leeve Schwaalkes, jagt nich so gau vörebi;
Seggt, sitt se wol noch und denkt an mi,
      In Dunkeln under de Boom?“

      Schwaalkes, leev’ Schwaalkes,

30
      Seggt, wat vertell Ji Jo? –

Wi togen werum, dat Schipp stürde Noord,
Sien beste Matrose full över Boord!
„Leeve Schwaalkes, do’t et de Wind tovör
Un bringt mien letzte goode Nacht to hör

35
      In Dunkeln under de Boom.“


      Schwaalkes, leev’ Schwaalkes,
      Seggt, wat vertell Ji Jo? –
Wi quammen weran, wat het uns groo’t!
Wi finden’t jo alle hier uut un dood!

40
Wi bo’n unse Hüüsken en anderswaar,

Hier süchtet un klagt et so sünderbar
      In Dunkeln under de Boom.

Was sich die Schwalben erzählen.

      Schwalben, o Schwalben,
      Sagt, was erzählt ihr euch? –
Vom Bub’, der im Dorfe der beste war,
Vom Mädel, deß Augen so blau und so klar.

5
Er ging allein und sie saß allein

Und sang ihre Lieder auf diesem Stein,
      Im Dunkeln unter dem Baum.

      Schwalben, o Schwalben,
      Sagt, was erzählt ihr euch? –

10
Als der Bube nun kam und still lauschend stund,

Da klopfte das Herz ihr, da schwieg ihr Mund.
Er mußte sie sehen, nicht trug er’s allein,
Nun saßen sie stumm und selig zu Zwei’n
      Im Dunkeln unter dem Baum.

15
      Schwalben, o Schwalben,

      Sagt, was erzählt ihr euch? –
Vom Vater, der wild und zornerglüht,
Von der Tochter, die ihm zu Füßen kniet,
Vom Mägdelein, das vor Leid verging

20
Und bitterlich weinend allein sich erging

      Im Dunkeln unter dem Baum.

      Schwalben, o Schwalben,
      Sagt, was erzählt ihr euch? –
Wir zogen davon über’s weit’, weite Meer.

25
Da schwamm ein Schifflein von Norden daher:

„Liebe Schwalben, o, fliegt nicht so schnell und schwenkt
Euch vorüber, o sagt, ob sie meiner noch denkt
      Im Dunkeln unter dem Baum?“

      Schwalben, o Schwalben,

30
      Sagt, was erzählt ihr euch? –

Wir kehrten zurück, das Schiff ging nach Nord,
Sein bester Matrose fiel über Bord:
„Liebe Schwalben, seid schneller noch als der Wind,
Bringt ihr meine letzten Grüße geschwind

35
      Im Dunkeln unter dem Baum!“


      Schwalben, o Schwalben,
      Sagt, was erzählt ihr euch? –
Wir kamen nach dort – o welch’ schreckliches Leid!
Nur Trauer ringsum und Einsamkeit!

40
Nun bau’n unsre Nestchen wir anderswo,

Es klagt hier so seltsam, hier seufzt es so
      Im Dunkeln unter dem Baum.

  1. Als Probe aus der Sammlung ostfriesischer Gedichte von Müller.