Zöblitz (Louise Otto)

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Textdaten
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Autor: Louise Otto
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Titel: Aus der Gefängniszeit 1850-1856
Untertitel: Zöblitz, im Mai 1853
aus: Mein Lebensgang. Gedichte aus fünf Jahrzehnten. S. 149-150
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum: 1850-1860
Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Moritz Schäfer
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Google-USA* und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[149]
Zöblitz, im Mai 1853.


Ein Pfingsten kam – o welche Festesfeier!
Der schöne Mai im hellen Blütenkranz
Zerreist des Himmels düstern Wolkenschleier,
Und zeigte ihn in seinem blau’sten Glanz. –

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Kann solche Wonne auch im Kerker wohnen?

Ist da auch Frühling, auch der holde Mai?
Glühn auf Gefangnenstirnen Flammenkronen,
Des heil’gen Geistes wunderbare Weih?

Und ist im Kerker holde Maienwonne,

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Geoffenbart in Lenz- und Liebeslust?

Dreimal gesegnet hohe Pfingstensonne,
Die solche Stätte zu erhelln gewußt!

Der Riegel sprang und schloß er auch sich wieder
Ich war bei Dir, und bot Dir meinen Gruß –

15
Du neigtest lächelnd Dich zu mir hernieder

Die Worte starben im Verlobungskuß.

Der erste Kuß! – bei uns der Kerkermeister
Kein Augenblick nur trauter Einsamkeit;

[150]
Doch hemmte nichts die Wonne unsrer Geister –
20
Der Raum war enge, doch die Herzen weit.


Von Deiner Stirne sprach des Geistes Weihe
Und Deine Rede war von Gott entflammt –
Ich bat ihn nicht, daß er Dir Trost verleihe –
Er gab Dir mehr – sein hohes Priesteramt.

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Ich hätte mögen vor Dir niederknieen,

„Mein hoher Herr!“ Dich nennen demutvoll –
Und ließ mich doch in deine Arme ziehen,
Daß mir das Herz in süßer Wonne schwoll.

Und vor uns eines neuen Kerkers Schauer,

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Und neuer Trennung unermeßnes Leid –

Die Liebe, im Bewußtsein ew’ger Dauer
Schwang doch sich siegreich über Raum und Zeit!

Die Liebe triumphiert ob aller Schranken,
Daran ein liebeleeres Herz zerschellt:

35
Du mein! ich Dein! – kein Zweifel mehr, kein Wanken!

Und siegreich überwunden ist die Welt!