Zur gelben Suppe am 15. Februar 1868

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Autor: Adolph Renner
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Titel: Zur gelben Suppe am 15. Februar 1868.
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Entstehungsdatum: 1868
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Erscheinungsort: Dresden
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Zur gelben Suppe
am 15. Februar 1868.




Meine hochverehrten Herren!

Da ich zum ersten Male die Ehre habe, als blutjunger Ersatzmann unter Ihnen zu weilen, so wollte ich, Ihre freundliche Genehmigung vorausgesetzt, mir erlauben, Ihnen zu sagen, was ich mir unter dieser Eigenschaft denke und was ich mir aus diesem neugebackenen „Ersatze" herausbuchstabire. Dies thue ich indeß unter Anwendung des Princips der Arbeitstheilung. Da ist der „Ersatz“ hier der „Mann“ dazu; nun kann es losgehen:

Aus dem Worte „Ersatz“ buchstabire ich mir zuerst heraus, daß ein Ersatzmann sei ein Etatmäßiger Reservist Stadtverordnet Ausgebliebner Thätigkeit Zu ersetzen, daß dieses vorläufige Amt sei das Ergebniß Richtiger Stimmenzählung, Auch Theilweisen Zutrauens und besonders für mich das Ehrenvolle Resultat Stimmberechtigter Ansässigen Treuen Zusammenhaltens.

Indem ich nun meinen kleinen Vortrag Ihnen als Erstes Referat Schüchterner Arbeitskraft Treulich Zustelle, dämmert es wohl außer mir auch jedem Neugewählten von Schlagwörtern künftiger Thätigkeit. Man denkt unwillkührlich an Einheiten, Recommunicate, Straßenpflaster, Accordarbeiten, Terminausschreibung, Zulagsbewilligungen, an Einführung Regenerirter Schulbibel, Armenpflege, Trinkwasser-Zuleitung, wie da verlangt wird, daß auf der Vogelwiese der Stadtrath wieder Errichte Repräsentirend Sein Altes Türkisches Zelt, und liest im Anzeiger mit doppeltem Interesse Auslassungen darüber, daß der Etwas Retourgelegte, Schwervereinbarte Antonstädter Tempelbau Zögert. Denn eines Stadtverordneten Auge schweift nicht in weite Fernen, etwa nach Erbsdorf, Roßthal, Strießen, Altcoschütz, Tolkewitz, Zschertnitz, sondern geht vom Elbberg bis zur Rhänitzgasse, von den Scheunenhöfen bis zur Adlergasse, vom Tatzberge bis an die Ziegelscheune, sei es auch anfangs nur als oft Zwecklos Treppauf TreppAb Strampelnder Resteuntersuchender Elbflorentiner.

Ich nun, der ich seit einer Reihe von Jahren zum Erneuerten Rathhausthurme Schief-à-vis Aufschauend, Täglich Zweifle, ob die enteilenden Stunden dem Ersatzmanne Richtig Seine Alte Ticketacke Zeige, – ich habe gern eines alten stadtverordneten Freundes Rath mein Ohr geliehen, welcher mir sagte: Tritt mit Ernst, Ruhe, Scharfblick An Treibende Zeitfragen, sei nicht hitzig, denn oft sieht man auf der Zornigbestiegnen Tribüne Aerger, Selten Rosen Ernten, sei nicht zu schnell bei deinem Votum in Geldsachen, denn oft treten Anforderungen heran, bei denen selbst die Vertreter Einer Residenz Sich Alle Taschen Zuhalten und Energisch Rufen Solchen Ausgaben: Thüre Zu! ja, manchmal kommt’s auch zum unterdrückten: Zum Teufel Alle Sängerfest-Rechnungs-Erinnerungen! und wäre, da es mit den Cassenbillets doch Nichts wird, es nicht übel, wenn künftighin, anstatt öfterer wöchentlichen Sitzungen, die Stadtverordneten etwa monatlich in Einigen Ruhigen Stunden Allerseits Thaler Zauberten.

Ferner, Erwähnend Rühmlich Silberjubilirten Anger’s Treuverdiente Zähigkeit, meinte er, daß bei Berathungen oft gut sei Ebenso Rücksichtsvolles Schweigen, Als Tüchtige Zündnadelmundwerksvorrichtung, daß es freilich am Besten wäre, wenn man immer von vornherein Eine Rauhe Sache Am Treffenden Zwickel packe. Denn wenn es wiederum auch in der Nachsitzung gewähre Eigenthümlichen Reiz, Schwerverdauliche Angelegenheiten Traulich Zu erörtern, so würde doch nicht Alles so leicht verschluckt, als heute unser Eis, Rindsfilet, Schöpscotelette, Aepfelcompot, Truthahn und Zuckertorte.

Eine Warnung indeß gab mir noch mein Freund: Zweifle nie an der Rentabilität des städtischen Marstalles, denn da kommt herangesprengt gegen Jeden auf Edlem Rosse Seyffarth, Anbietend Tödtlichen Zweikampf!

Indem ich nun noch zum Schluß den Beifall herausbuchstabire, den wir Eines Rührigen Stadtrathes Anstrengender Thätigkeit Zollen, ist es höchst erfreulich, wie beide Collegien mit einander einmal ohne Erwägungen, Registrandeneingänge, Schneppereien, Allgemein Theilnehmend Zweckessen; daß damit in Zukunft jede Meinungsdifferenz schwinde, – nun, meine hochverehrten Herren, das kann selbst kaum eine Eiergelbe Raths-Suppe Am Theaterplatz Zwingen.

Adolph Renner.     


Buchdruckerei von Hellmuth Henkler in Dresden.